Nissen, Sönke

* 27.12.1870 Klockries, Gemeinde Risum-Lindholm, † 4.10.1923 Glinde,


Tiefbauingenieur, Unternehmer. Nach einer Zimmermannslehre bei seinem Vater und dem Besuch einer Bauschule in Hamburg hatte er sich als Deichinspektor beim Kreis Tondern beworben, war aber nicht in die engere Wahl gelangt. Als Techniker trat er in die Dienste einer Berliner Firma, die hauptsächlich Kleinbahnen im Auftrag des Deutschen Reiches baute. Nissen leitete 1903 05 den Bau einer Teilstrecke der Usambara-Eisenbahn in Deutsch Ostafrika (heute Tansania) und konnte ihn fünf Monate vor dem festgesetzten Termin beenden. Die dafür gezahlte Sondervergütung bildete den Grundstock seines Vermögens. Trotz großer technischer Schwierigkeiten meisterte er 1906 08, ebenfalls schneller als geplant, den Bau einer Bahnstrecke in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), die von Lüderitzbucht 366 Kilometer weit ins Landesinnere nach Keetmanshoop führte. Zum beruflichen Erfolg gesellte sich Glück: Ein eingeborener Arbeiter fand 1908 einen Diamanten. Als Teilhaber der Diamanten-Schürfgesellschaft Kolmannskuppe wurde Nissen ein reicher Mann. Die Gewinne investierte er in Deutsch-Südwest, das sich zur ertragreichsten deutschen Kolonie entwickelte, und in Deutschland. So erwarb er 1912 das 500 Hektar umfassende Gut Glinde bei Hamburg, das er zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausbaute. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg half Nissen, der trotz allen Reichtums einen eher bescheidenen Lebensstil pflegte, die wirtschaftliche Not lindern, auch in seinem Heimatdorf Klockries und Umgebung. Als die Pläne zur Bedeichung des weiten Vorlandes vor Bredstedt zwischen Ockholm und dem Cecilienkoog 1921 wieder aufgegriffen wurden, fehlte dem Staat das Geld für diese Unternehmung. Jetzt trat Sönke Nissen als Hauptfinancier und Darlehensgeber für die bäuerlichen Interessenten auf. Er ermöglichte damit die letzte auf genossenschaftlicher Basis vorgenommene Eindeichung. Nissen starb, noch bevor im April 1924 der erste Spatenstich getan werden konnte. Die zu seinem Nachlass gehörigen sieben Höfe im "Sönke- Nissen-Koog" wurden nach Bahnstationen in Deutsch-Südwest benannt und erinnern an den ungewöhnlichen Lebensweg des Nordfriesen aus Klockries.

Thomas Steensen: Im Zeichen einer neuen Zeit. Nordfriesland 1800 bis 1918, Bräist/Bredstedt 2005.








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