Jensen, Christian

* 20.1.1839 Fahretoft, † 23.3.1900 Flensburg,


begr. Breklum, Pastor, Gründer der Breklumer Mission. Er wuchs auf der Lütt Jens Warft in Fahretoft als Sohn eines kleinen Bauern und Deicharbeiters auf. Trotz mancher Widrigkeiten konnte er eine höhere Schule besuchen und Theologie in Kiel und Erlangen studieren. Mit 28 Jahren übernahm er seine erste Pastorenstelle in Uelvesbüll/Eiderstedt. Schon hier zeigte sich, dass er für seinen Glauben - "Jesus macht allein glücklich und ewig selig" - möglichst viele Menschen gewinnen wollte in einer Zeit, in der die Bindung an die Kirche schwächer wurde. Von Uelvesbüll aus gründete er 1870 das Sonntagsblatt fürs Haus, das mit manchen Wandlungen über ein Jahrhundert lang für den christlichen Glauben eintrat. Als politisches Blatt gab er von 1874 an die Neue Zeitung heraus, weitergeführt als Norddeutsche Reichspost, die aber nach einigen Jahren eingestellt werden musste. In seiner Publizistik wandte sich Jensen, bisweilen mit unduldsamer Härte, gegen die Vertreter einer "modernen", liberalen Theologie, etwa den Oldensworter Pastor Carsten Kühl (1842 1908), der 1880 in Garding den Evangelischen Gemeindeboten gründete. Dabei vertrat Jensen einen deutsch-nationalen Kurs, wandte sich entschieden gegen die aufkommende "Socialdemokratie" und verfiel manches Mal in Warnungen vor einem "verderblichen Einfluß des modernen Judentums auf unser Volksleben".
Gedenkstein Chr. JensenIm Jahre 1873 war Christian Jensen, der sich als lutherischer Pietist sah, zum Hauptpastor in Breklum gewählt worden. Kurz danach gründete er eine Druckerei, 1875 eine christliche Buchhandlung und sodann, von besonderer Bedeutung, am 19. September 1876 die "Schleswig-Holsteinische evangelisch-lutherische Missionsgesellschaft zu Breklum". Breklum gehörte zu den kleinen und spät gegründeten Missionsanstalten in Deutschland, war aber die Missionsgesellschaft für Schleswig-Holstein. Sie fand besonders großen Anhang in Nordschleswig. 1881/82 brachen die ersten beiden hier ausgebildeten Missionare nach Indien auf, und zwar in das abgelegene Jeypur im Nordosten des Landes. 1886 tauften sie die ersten Inder. 1916 gehörten der Jeypur Kirche 16 000 Menschen an, überwiegend Adivasi- Ureinwohner, die innerhalb der indischen Kastengesellschaft zu den verachteten Gruppen gehörten. Später wurden Breklumer Missionare auch nach Ostafrika (seit 1912), China (von 1921/23 bis zur kommunistischen Revolution 1949) und Papua-Neuguinea (etwa seit 1971) ausgesandt.
Jensen bemühte sich auch um die Mission im Inneren. So wollte er in Breklum Gemeindehelfer und Laienprediger ausbilden. Die dafür 1879 gegründete "Brüderanstalt" war jedoch nicht ausgelastet. Von 1882 bis 1931 wurden hier Prediger für die ausgewanderten Deutschen in Amerika ausgebildet, insgesamt fast 200. Auch ein eigenes christliches Gymnasium - das erste in Schleswig-Holstein - gründete Christian Jensen in Breklum, das "Martineum". Es musste jedoch 1893 nach elfjährigem Bestehen aufgegeben werden, weil ihm eine vollgültige Anerkennung durch die Behörden versagt blieb. Seine letzte Gründung war 1899/1900 ein Sanatorium für innere Krankheiten und Nervenleiden.
Im Jahre 1971 gingen die Breklumer Einrichtungen in die Trägerschaft des Nordelbischen Missionszentrums mit Hauptsitz in Hamburg Othmarschen über. Aber noch heute bestehen in dem Dorf, das in seiner Entwicklung entscheidend von der Mission geprägt wurde, christliche Seminar- und Fortbildungsstätten. Das 2001 gegründete Christian Jensen Kolleg trägt den Namen des Gründers.

Thomas Steensen: Im Zeichen einer neuen Zeit. Nordfriesland 1800 bis 1918, Bräist/Bredstedt 2005.








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