Desmercières, Graf Jean Henri

* 8.5.1687 Paris, † 15.3.1778 Kopenhagen,


dänischer Staatsrat, Gründer der ersten Bank in Kopenhagen, Besitzer mehrerer Güter in Holstein. Der Sohn des Geheimrats Jean Henri Graf Gyldensteen befreite durch Zeit- und Erbpachtverträge seine ostholsteinischen Bauern aus der Leibeigenschaft. Für Nordfriesland zeichnete sich Desmercières dadurch aus, dass er mehrere große Deichbauprojekte finanzierte und leitete. Seine erste Bedeichung, der Sophie-Magdalenen-Koog (1741), war Teil des Bredstedter Werkes. Die Verantwortung für diese Aufgabe übernahm Desmercières mit dem Kauf eines Oktrois des dänischen Königs Christian VI. (1699-1746) im Jahre 1733. Erstmals wurden nun bei der Eindeichung neue, richtungweisende Wege beschritten. Desmercières bedeichte nur Vorland, das hoch genug aufgeschlickt war und bereits eine Salzwiesenflora trug. Bei der Eindeichung des südlich anschließenden Desmerciereskooges (1765-67) führte er zusätzlich ein neues Deichprofil ein. Desmercières kümmerte sich auch um die notwendige Entwässerung seiner Köge und gab den Siedlern, die er persönlich auswählte, durch langfristige Abzahlungsverträge oder Pachtverhältnisse die Möglichkeit, sich als freie Bauern mit eigenem Besitz niederzulassen und zu behaupten wie z. B. 1771 bei der Wiedergewinnung des sturmflutgeschädigten Elisabeth-Sophien-Kooges auf Nordstrand. Auch hier wurden die Bedingungen für die Siedler bewusst sozial gestaltet, so dass auch weniger Vermögende Besitz erwerben konnten. Desmercières übernahm auf eigene Rechnung die Anlage der Entwässerung und der Wege sowie für zehn Jahre die Unterhaltung des neuen Deiches. Nach seinem Ableben ging der größte Teil des Vermögens an Graf Heinrich XLIII. von Reuß-Schleiz-Köstritz, einen Enkel seiner Stiefschwester Gräfin de Monteleone, geborene Gyldensteen über, der mit der Gewinnung weiterer Köge vor Bredstedt auch im Deichbau das Erbe seines Großonkels antrat.

August Wilhelm Geerkens: Jean Henri Graf Desmercières, Flensburg 1960.








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