Wyk auf Föhr

(a Wik) An der Grenze zwischen Marsch und Geest, bei der Bucht (= Wyk), gab es auf der Südostseite Föhrs vermutlich schon im Mittelalter einen kleinen natürlichen Hafen. Um 1600 sind nur zwei Fischerhäuser nachweisbar. 1611 wurde Bey der Wicke erstmals urkundlich erwähnt. Nach der großen Sturmflut von 1634 siedelten sich zahlreiche Halligbewohner auf der sicheren Geest südlich des Hafens an. 1638 wird amtlich als Geburtsjahr der Siedlung angenommen. Durch den Zuzug von Schiffern von den damaligen Halligen Fahretoft, Dagebüll und Galmsbüll weitete sich der Ankerplatz zur Siedlung aus. Die "angesehensten und vermögendsten Leute von Föhr" errichteten "in Wyk Zimmerhütten und Packhäuser zur Beförderung ihres Schiffsbaues", schrieb der Chronist Ocke Nerong (1852-1909). 1704 erhielt der Ort die Hafengerechtigkeit, 1706 die Rechte eines Fleckens, 1710 die Marktgerechtigkeit.
Mit der Gründung eines Seebades im Jahre 1819 begann ein neuer, entscheidender Abschnitt in der Geschichte der Stadt. Ärzte und Gäste hatten die heilklimatischen Vorzüge der Insel in der Nordsee erkannt, was bald auch in steigenden Gästezahlen seinen Niederschlag fand. In der sogenannten "Königszeit" in den Jahren 1842-47 erlebte Wyk durch die Sommeraufenthalte des dänischen Königs Christian VIII. (1786-1848) eine besondere Blütezeit. 1857 wurde die Stadt von einer großen Feuersbrunst heimgesucht, welche die Hälfte des Ortes zu einem Schutthaufen verwandelte und 118 Familien obdachlos werden ließ. Ein zweiter Großbrand im Jahre 1869 zerstörte auch die zwölf Jahre zuvor verschonten Gebäude. Diese Brände führten zur Bildung der Freiwilligen Feuerwehr Wyk im Jahr 1878. Sieben Jahre später wurde die Wyker Dampfschiffs-Reederei gegründet, die heute mit ihrem modernen Schiffspark die größte Reederei an der schleswig-holsteinischen Westküste und gleichzeitig der größte Arbeitgeber der Insel Föhr ist. Im Jahre 1898 wurde am damals noch nicht bewohnten Südstrand durch Karl Gmelin (1863-1941) das Nordsee-Sanatorium gegründet, dem bald weitere Bauten folgten. Es entstand eine große Parkanlage, der sich in späteren Jahrzehnten große Baumanpflanzungen in allen Teilen der Stadt anschlossen und den Ruf Föhrs als "grüne Insel" festigten.
1910 erhielt Wyk die Stadtrechte, 1924 wurde Boldixum eingemeindet. Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg warfen ihre Schatten auch über Föhr. Die Auswirkungen hielten sich jedoch in Grenzen. In den Jahren 1945-47 fanden viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten in Wyk eine - oftmals nicht nur vorübergehende - Zuflucht. Erkennbar wird dies insbesondere an den Einwohnerzahlen. Während 1939 noch 2 824 Einwohner gezählt wurden, waren es 1947 genau 6 267, drei Jahre später mit fallender Tendenz noch 4 850 Einwohner. Wyk galt nun als Nordseeheilbad. 1956/57 entstand ein den Anforderungen entsprechendes Kurmittelhaus.
1964/65 wurden das Hafenbecken ausgebaut, zu Beginn der 1970er Jahre das Kurmittelhaus erweitert sowie ein Meerwasserhallenbrandungsbad errichtet. Dieses ersetzte 1995 das neue Familienbad aquaWYK-FÖhr. Mit dem Bau eines neuen Fähranlegers 1968-70 konnte dem ständig steigenden Personen- und Kraftfahrzeugverkehr zwischen Föhr und Dagebüll Rechnung getragen werden.
Ein neues Schul- und Sportzentrum ermöglichte es ab 1976, den Real- und Hauptschulunterricht zeitgerecht fortzuführen. 1984 war das erste "echte" Rathaus bezugsfertig. Das "Kleine Kulturzentrum" beherbergte seit 1988 die Grundschule, die öffentliche Bücherei und die Musikschule Föhr. Zum Wahrzeichen wurde der Glockenturm am nördlichen Ende der Großen Straße.
2006 lebten 4 440 Einwohner in dem rund 800 Hektar großen Stadtgebiet. In der Hauptsaison steigt ihre Zahl auf über 20 000 Menschen. Damit ist Wyk die größte Hafenstadt der nordfriesischen Inseln. Die Grundlage des Wirtschaftslebens und der Wirtschaftsentwicklung bildet der Fremdenverkehr. Eine Ansiedlung von Industriebetrieben lässt sich wegen der insularen Abgelegenheit nicht realisieren. Soweit der Fremdenverkehr nicht unmittelbar die gewerblichen Betriebe trägt, finden die Firmen auch mittelbar ihre Existenzgrundlage im Tourismus, sei es durch Bautätigkeit, Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten oder die Anschaffung von Betriebsausstattungen.
Friesische Straßennamen in Wyk und ihre Bedeutung:
Linge: Flurname, "Länge", wohl in der Bedeutung Langacker.
Tesken Waier: "zwischen den Wegen"; tesken = zwischen; waier = Wege.

Laur 1992; Jakob Tholund: Wyk. Die Stadt auf der grünen Insel Föhr, St. Peter-Ording 1985.
Bonsen 1971, S. 30; Laur 1992; Panten 2006; de la Roi-Frey 2002, S. 10 u. 2004; Steensen 1996a; Tholund 1971, S. 55 u. 1985; Zacchi/Pump 1994; www.wyk.de.








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