Westerland

(Weesterlön) Westerland liegt am Sylter Weststrand etwa in der Mitte der nord- südlichen Ausdehnung der Insel. List im Norden befindet sich etwa 15 Kilometer, Hörnum im Süden rund 17 Kilometer entfernt. Auf einer Fläche von 1 045 Hektar leben rund 9 230 Einwohner (2008) und 4 500 Zweitwohnungsbesitzer. 1905 erhielt Westerland die Stadtrechte. 2009 bildete der Ort zusammen mit den Gemeinden Sylt-Ost und Rantum die neue Gemeinde Sylt.
Der Ort wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts von den Einwohnern des alten Kirchdorfs Eidum gegründet. Sturmfluten hatten ihr Dorf zerstört. Ihre neuen Siedlungen nannten sie zunächst Hedigen (Heideflächen). Die 1462 im Zinsbuch des Bistums Schleswig erstmals beurkundete Bezeichnung "Westerlant" ist ein alter Tinnumer Flurname und weist darauf hin, dass sich die Eidumer im Westen des bereits bestehenden Dorfes Tinnum niedergelassen hatten. 1855 entdeckte der Landvogt W. von Levetzau Westerland für den Fremdenverkehr. Wulf Manne Decker (1815-1876) und andere formten das alte Kirchdorf ab 1857 zu einem erfolgreichen Seebad. Seither nahm es einen rasanten Aufstieg zu einem mondänen Badeort. Rund zweieinhalb Millionen Übernachtungen in etwa 25 000 Gästebetten werden pro Jahr verzeichnet. 1 362 Gewerbebetriebe sorgten im Jahr 2006 für eine Steuerkraft von rund 515 Euro je Einwohner.
1857 wurde das erste Hotel, die "Dünenhalle", eröffnet, 1859 folgten mit dem "Strandhotel" (1890 abgebrannt) und 1869 mit dem "Hotel Stadt Hamburg" weitere Logierhäuser. In der "Alten Post" (1892) sind heute u. a. die Stadtbücherei und das Sylter Archiv untergebracht.
Elektrische Energieversorgung ab 1893 und ein Fernsprechkabel zum Festland ab 1897 steigerten die Anziehungskraft der Gemeinde erheblich. 1898 wurde das architektonisch interessante Kurhaus eingeweiht. 1903 entstand das Jugendstil-Hotel Miramar, 1908 folgte das erste Kurmittelhaus und 1912 der Flugplatz. Zwischen 1934 und 1940 stieg die Einwohnerzahl kriegsbedingt von rund 4 000 auf 7 700 Personen an.
Seit 1948 darf sich die Stadt mit dem Prädikat Nordseeheilbad schmücken. Die rund 10,5 Quadratkilometer große "Hauptstadt" Sylts ist heute bereits von weitem an ihren Betonhochhäusern zu erkennen. Die bekannte Silhouette entstand 1966-68 mit der Errichtung des Kurzentrums und des Appartement-Hochhauses "Metropol". 1993 entstand ein Gebäudekomplex mit dem Freizeitbad Sylter Welle nebst einer Saunalandschaft und dem jetzt in "Syltness-Center" umbenannten Kurmittelhaus. Doch gibt es neben der modernen Architektur auch 30 Häuser, die, wie z. B. die "Alte Friesenstube", unter Denkmalschutz gestellt wurden. Weitere 150 Häuser gelten als schützenswert, darunter mehrere utlandfriesische Häuser im alten Dorfkern.
Die protestantische Kirche Sankt Niels wurde 1635-37 errichtet. 1908 weihte man die von Heinrich Bomhoff (1878-1949) entworfene zweite evangelische Kirche Sankt Nicolai mit 600 Sitzplätzen ein. 1896-1957 stand in Westerlands Stadtmitte die katholische Herz-Jesu- Kapelle mit 160 Sitzplätzen. Als sie zu klein wurde, erbaute man 1957 die Kirche Sankt Christophorus. Gegenüber der Kirche liegt die "Heimstätte für Heimatlose", ein Friedhof für die namenlosen Opfer der See.
Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Wilhelmine in der Wilhelmstraße. Andere Symbolfiguren wie der "Sturmbläser" oder die "Europa" sind auf der Kurpromenade zu finden. Seit 2001 stehen auf dem Bahnhofsvorplatz die "Reisenden Riesen im Wind".

Hubertus Jessel 1998, Leonhardt 1980, Newig 1974 u. 1996a, Opitz 1996, Rinken 1992, Stöver 1980, Voigt 1986, Wedemeyer 1977a, Wedemeyer/Voigt 1980.

Friesische Straßennamen in Westerland und ihre Bedeutung:
Baakdeelwai: "Bakentalweg"; Baak = Bake, Seezeichen; Deel = Dünental; Wai = Weg.
Brönswai: "Brönsweg", Weg zu den Brönshügeln (sy. Brönshooger) in Kampen; Wai = Weg.
Bundiswung: Flurname, "Bundis Acker"; Bunde, Genitiv Bundis = männl. Personenname; Bundis auch patronymischer Familienname (sy. Bunji, Bunjis); Wung = Ackerkomplex.
Gaadt: "Dorfgasse"; Gaat = Hohlweg, an dessen beiden Seiten die Grundstücke ansteigen.
Halemdüür: Flurname westlich der Tinnumburg; wie westerlandföhr. Halemdör = mnd. helmdor "Seitenweg, der zum Deich führt"; Düür = Tür, Tor.
Hedigenwai: Das Bestimmungswort ist wohl eine verdeutschte Form des Flurnamens Heerk, der Verkleinerungsform von Hiir/Hii? = Heide; Wai = Weg.
Hoogenkamp: Flurname, "hoch liegende Feldflur"; hoog = hoch; Kaamp = Feldflur.
Jap-Peter-Hansen-Wai: Jap Peter Hansen (1767-1855) schrieb u. a. die Komödie "Di Gidtshals", die 1809 veröffentlicht wurde, und gilt damit als Begründer der nordfriesischen Literatur; Wai = Weg.
Kuurt Blöken: "Kurze Äcker"; kuurt = kurz; Blööken (Mz.) = "von Wällen umgebene Äcker".
Litj Stig: "Kleiner Weg"; litj = klein; Stich = Weg, Straße.
Munkmarkwai: "Weg zur Mönchsfeldmark"; Munkmark, Flurname (zw. Westerland und Rantum gelegen), Munk = Mönch (als Bestimmungswort in Orts- und Flurnamen von früherem Klosterbesitz); Mark = Feldmark, auf Sylt bes. Marschland; Wai = Weg, Straße.
Nuurhörn: "Nordecke"; Nuur/Nuu? = Nord(en); Hörn = Ecke.
Pidder-Lüng-Wai: "Pidder-Lüng-Weg"; Pidder Lüng, ein friesischer Volksheld, soll um 1470 in Hörnum gelebt haben (vgl. dazu die Ballade von Detlev von Liliencron); Pi?er = Peter; lüng = lang; Wai = Weg.
Puan-Stöven-Weg: "Weg am Staven des Pua"; Pua, Genitiv Puan = männl. Personenname; Stööwen = Staven (Schleswig-Holstein), Hausgrundstück, Stammsitz.
Senwai: "Sonnenweg"; Sen = Sonne; Wai = Weg.
Sjipkamp: "Schafweide"; Sjip = Schaf; Kaamp = Feldflur.
Sjipwai: "Schafsweg"; Sjip = Schaf; Wai = Weg.
Smeelwai: "schmaler Weg"; smeel = schmal; Wai = Weg.
Strönwai: "Strandweg"; Strön = Strand; Wai = Weg, Straße.
Twesk Wungen: "zwischen den Äckern"; twesk = zwischen; Wung = Ackerkomplex.
Weester Stiindeelken: "Wester-Steintälchen"; Weester- = West(er)-; Stiin = Stein; Deelki Verkleinerung von Deel = Dünental.
Weesterstich: "Westerweg"; Weester - = West(er)-; Stich = Weg, Straße.








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