Tinnum

(Tinem) Das Dorf gehört seit 1970 zur Gemeinde Sylt-Ost im Amt Landschaft Sylt. Tinnum liegt rund vier Kilometer südöstlich vom Zentrum der Stadt Westerland entfernt. Auf einer Fläche von 751 Hektar leben rund 3 190 Einwohner (2006).
Die Bedeutung des Ortsnamens ist unklar. Vermutlich geht er auf das altfriesische Wort têninge (Einzäunung) zurück. Auch die Deutung "Heim des Tinne" ist möglich. Erste Erwähnung fand "Tynnum" 1462 im Zinsbuch des Bischofs von Schleswig. In den Marschwiesen liegt eine Ringwallanlage aus der Zeit um Christi Geburt, die Tinnumburg. Im Norden soll bei den Thinghügeln einst Gericht gehalten worden sein. Die erste Landvogtei wurde 1649 erbaut; bis 1868 blieb Tinnum Sitz des Landvogts. 1837 erhielt das Dorf das Inselgefängnis, und bis 1904 war auch das Sylter Amtsgericht im Ort, bevor es nach Westerland wechselte. Von 1870 bis etwa 1920 existierte eine Kratzmühle zur Verarbeitung von Schafwolle. 1904 erhielt der Ort ein mehrgeschossiges Schulhaus, das im Volksmund als "Tinnumer Hochschule" bezeichnet wurde. Ab 1925 lieferte Westerland elektrischen Strom. Von 1927 bis in die 1930er Jahre besaß Tinnum einen Bahnhof an der Eisenbahnstrecke nach Westerland. Die Nähe zur Stadt und die Lage an der Durchgangsstraße nach Keitum sowie an der Bahnstrecke wirkten sich vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg negativ auf das Ortsbild aus. Es entstanden viele Gewerbebetriebe und Lagerhallen in dem Luftkurort, wie Tinnum sich seit 1960 nennen darf. Im Süden und Osten sind aber einige utlandfriesische Häuser erhalten. Wegen der etwas günstigeren Immobilienpreise und der Nähe zu Westerland ist Tinnum ein beliebter Wohnort. In der Meierei wurde bis zu ihrer Schließung 1996 die Milch von rund 500 Sylter Kühen aufbereitet. Ein Tier- und Vogelpark zeigt seit 1963 etwa 300 Tierarten, darunter auch Affen, Kängurus und Strauße.

Bechthold 1996, Laur 1992, Leonhardt 1980, Quedens 2000b, Rinken 1992, Schmidt 1937, Schmidt-Petersen 1974.

Friesische Straßennamen in Tinnum und ihre Bedeutung:
Borigwai: "Weg zur Burg"; Borig = Burg, hier die südwestlich von Tinnum gelegene Tinnumburg; Wai = Weg.
Conrad-Andresen-Wai: Conrad Andresen (1869-1962), Tinnumer Bürger; Wai = Weg.
Fröddenwai: "Frödden-Weg"; Frödde, Genitiv Frödden = männl. Personenname; Frödden auch patronymischer Familienname (sy. Frer, Freren); das Frödden-Geschlecht stammt aus Tinnum; Wai = Weg.
Ingewai: "Weg zu den Wiesen"; Ingi = Wiese (Flurnamen: Uaster-/Weesteringi); Wai = Weg.
Kiarwai: "Teichweg"; Kiar (Flurname) = Dorfteich; Wai = Weg.
Liiger Hörn: Flurname, "niedrigere Ecke"; liig = niedrig; Hörn = Ecke.
Peter-Andresen-Wai: Peter Andresen (1866-1951), Tinnumer Bürger; Wai = Weg.
Silwai: "Sielweg"; Sil = Abzugsgraben, Siel, auf Sylt auch Wehle, Salzwasserbach; Wai = Weg.
Sjipwai: "Schafsweg"; Sjip = Schaf; Wai = Weg.
Weesterstich: "Westweg"; Weester- = West(er)-; Stich = Weg, Straße.
Westhüs: "Westhaus"; Hüs = Haus.








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