Risum-Lindholm

(fries.: Risem-Lonham) Die Gemeinde mit den Ortsteilen Broweg, Klockries, Kremperhaus, Legerade, Maasbüll und Wegacker liegt gut vier Kilometer südöstlich von Niebüll am südlichen Rand des Risummooringer Kornkooges. Sie gehört zum Amt Südtondern. Risum wurde 1352 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet "Zu den Büschen". Lyntholm wurde 1488 erstmals urkundlich erwähnt und bedeutet "Erhebung bei (oder mit) Linden". Die schriftlichen Aufzeichnungen reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, doch ist auch eine Besiedlung seit der Steinzeit nachweisbar. Das Gebiet blieb bis zur Bedeichung des Maasbüller Herrenkooges 1641 stark sturmflutgefährdet. Bei der großen Sturmflut 1634 kamen allein in Risum 402 Menschen ums Leben.
1969 schlossen sich die ehemals selbstständigen Gemeinden Risum und Lindholm zur größten Landgemeinde Nordfrieslands zusammen. Heute leben rund 3 635 Menschen (2008) auf einer Fläche von 3 603 Hektar. 59 landwirtschaftliche Betriebe nutzen etwa 3 500 Hektar. Rund 100 Gewerbebetriebe sorgen für einen hohen Versorgungs- und Dienstleistungsgrad. Zwei Windparks und drei Biogasanlagen dienen der Erzeugung alternativer Energie. Neben zwei evangelischen Kindergärten und dem dänischen Kindergarten gibt es eine Grundschule, eine Grund- und Hauptschule und die dänisch-friesische Schule Risum Skole/Risem Schölj in der Gemeinde.
Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die backsteinerne Saalkirche Sankt Sebast zu Risum. Sie ist u. a. mit einer Emporenkanzel aus der Spätrenaissance und einem spätgotischen Kruzifix von etwa 1420/30 ausgestattet. Die Sankt Michael-Kirche in Lindholm war die erste Kirche der Bökingharde. Nach einer Prophezeiung der Seherin Hertje von Horsbüll wird sie auch die letzte sein, wenn alle anderen Gotteshäuser in einer großen Flut untergegangen sind. Die Kirche besitzt ein frühgotisches Kirchenschiff mit Erweiterungen aus dem 18. und frühen 20. Jahrhundert. Der Altar stammt von 1745, die Taufe aus dem 13. Jahrhundert und die Kanzel von 1682. In Klockries erwarb 1989 der Ostermooringer Friesenverein (Frasche Feriin for e Ååstermååre) ein utlandfriesisches Bauernhaus aus dem Jahre 1723. Das Andersen-Haus dient als Kultur- und Versammlungsstätte vielfältigen Aktivitäten.

Friesische Straßennamen in Risum-Lindholm und ihre Bedeutung:
Bloogewäi: "Ackerweg"; blooge = von Wällen umgebener Acker; wäi = Weg.
Broonkööl: Flurname, "Brandkuhle", Feuerlöschteich; broon- zu brönj = Brand; kööl = Kuhle.
Daagel: Flurname, "Kleiner Deich" oder Wall (der als Grenzwall diente).
Draft: Flurname, "Trift", Feldweg zwischen Dorf und Weide, auf dem das Vieh entlang getrieben wird.
Eekerfeen: Flurname, "Ackerfenne"; eeker = Acker; feen = Fenne.
Emil-Malers-Wäi: Emil Hansen (1875-1955) schrieb zahlreiche friesische Lieder und Theaterstücke. Von Beruf war er Maler, weshalb er auch Emil Mååler genannt wurde; wäi = Weg.
Faaderswäi: Die Straße ist nach den drei Brüdern Christiansen benannt worden, die als die Faaders bekannt waren; wäi = Weg.
Fascherwäi: "Fischerweg"; fascher = Fischer; wäi = Weg.
Fooderwäi: "Heuweg"; fooder = Heu; wäi = Weg.
Foogedswäi: "Vogtweg"; In dieser Straße wohnte ehemals der Lehnsvogt, ein königlicher Verwaltungsbeamter; wäi = Weg.
Grutstich: "Großer Fußweg"; grut = groß; stich = "Steig", Fußweg.
Heie-Juuler-Wäi: Heinrich Petersen (1913-1998) war mehrere Jahre Amtmann. Von Beruf war er Rade-/Stellmacher, fries.: (jüt.) Juuler. Heie ist die Kurzform von Heinrich; wäi = Weg.
Heiner-Petersen-Wäi: Heiner Petersen (1865-1920) war ein bekannter Gastwirt und Inhaber einer Bankfiliale; wäi = Weg.
Kliiwerfeen: "Kleefenne"; kliiwer = Klee; feen = Fenne, Weide.
Kornkuugswäi : "Kornkoogsweg"; korn = Korn, Getreide; kuuch = Koog; wäi = Weg.
Kösterwäi: "Küsterweg"; köster = Küster; wäi = Weg.
Krouerswäi: "Krügerweg"; krouer = Krüger, Gastwirt; wäi = Weg.
Küfeen : Flurname, "Kuhfenne"; kü = Kuh; feen = Fenne.
Laamstich: "der Fußweg zum Hochacker"; laame = hoch liegendes Ackerland; stich = Steig, Fußweg.
Läiged: die Häusergruppe Legerade; läiged = Niederung.
Mooringer Wäi: "Mooringer (fries.: Mååringer) Weg"; gemeint ist hier Risummoor; wäi = Weg.
Naie Wäi: "Neuer Weg"; nai = neu; wäi = Weg.
Ouern Dik: Flurname, "über dem/den Deich/Wall"; ouer = über; dik = Deich, Wall.
Raiffeisenwäi: "Raiffeisenweg"; wäi = Weg.
Räidekööl: Flurname, "Reetkuhle"; räid = Reet, Schilf; kööl = Kuhle.
Reederswäi: "Reedersweg"; der Name erinnert an die Familie Reeder, der einstmals das zwischen Fahretoft und Waygaard gelegene Gut Bottschlott gehörte; wäi = Weg.
Schörkewäi: "Kirchweg"; schörk = Kirche; wäi = Weg.
Siewert-Agsens-Wäi: Siewert Agsen (1813-1895) war Deichvogt und mathematisch hochbegabt. Der Küster schickte talentierte Schüler zu ihm, damit er sie in der Rechenkunst weiterbildete; wäi = Weg.
Sönke Nissen Wäi: Sönke Nissen (1870-1923) aus Klockries war Bauingenieur. In Deutsch-Südwestafrika war er beim Eisenbahnbau tätig, erwarb u. a. durch Diamantenfunde ein Vermögen und finanzierte daraus die Eindeichung des nach ihm benannten Sönke-Nissen-Kooges; wäi = Weg.
Spalönj: Flurname, "Spätland/Spadeland"; schmaler Landstreifen hinter dem Deich, der der Deichreparatur vorbehalten ist; lönj = Land.
Steege: "Fußwege"; stich, Mz. steege = Steig, Fußweg.
Türkeiswäi: Weg, der nach den weit draußen südwestlich von Risum gelegenen "Türkei" genannten Ländereien führt (vgl. "Krim" und "Sibirien" für minderwertiges Land); wäi = Weg.
Üüle Browäi: "Alter Brückenweg"; üülj = alt; bru = Brücke; wäi = Weg.
Üülendik: Flurname, "Alter Deich"; üülj = alt; dik = Deich.








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