Rantum

(fries.: Raantem = Randheim, Siedlung am Ufer) war bis Ende 2008 mit rund 530 Einwohnern (2007) und etwa 300 Zweitwohnungsbesitzern auf einer Fläche von 741 Hektar die kleinste selbstständige Inselgemeinde auf Sylt. Sie gehört zum Amt Landschaft Sylt und liegt etwa sechs Kilometer südlich von Westerland an einer der schmalsten Stellen der Insel, wo West- und Ostküste nur etwa 500 Meter voneinander entfernt sind.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1462. Über die Zeit davor darf spekuliert werden. Gesichert ist, dass die Sylter Westküste in früheren Jahrhunderten vier bis fünf Kilometer weiter westlich verlief. Dort begrenzte und schützte ein Riff die Insel. In der Senke zwischen Geestkern und Riff lag fruchtbares Marschland, zu dessen Besitzern auch die Rantumer gehörten. Vermutlich waren sie bis ins 15. Jahrhundert die wohlhabendsten Siedler auf Sylt. Jahrhundertelang befanden sie sich aber auch auf der Flucht vor dem Dünensand und der Nordsee. Wahrscheinlich vernichtete die Allerheiligenflut 1436 die "Westersee-Kirche". Etwa 1652 ging eine zweite Kirche unter. 1725 stand die dritte Rantumer Kirche noch weit entfernt von den Dünen, doch bereits 1757 wurde sie vom Sand begraben. Eine daraufhin weiter östlich erbaute Kirche musste 1801 abgerissen werden, weil erneut wandernde Dünen sie eingeholt hatten. 1964 erhielt Rantum seine heutige reetgedeckte Kirche Sankt Peter.
Im Verlauf von tausend Jahren wurde auch das Dorf mindestens dreimal verlegt. Davon zeugen Brunnenringe aus Soden oder Abdrücke von Rinderhufen und Wagenrädern, die gelegentlich zutage treten, wenn ein strammer Ostwind das Meer bei Ebbe weit nach Westen drückt und der Sand, der die Siedlungsspuren abdeckte und konservierte, verlagert wird. Bei Rantum befand sich die Rantumburg, eine der drei Ringwallanlagen auf Sylt. Auch sie wurde vom Dünensand verschüttet, und ein gleiches Schicksal ereilte die Mühle im frühen 17. Jahrhundert. 1695 wurden 40 abgabenpflichtige Häuser gezählt, 1769 noch 28 mit 102 Einwohnern, 1803 war die Zahl wegen des vorrückenden Sandes auf 53 Einwohner gesunken. 1819 wurde das letzte Haus des alten Rantums auf einer öffentlichen Auktion verkauft und 1821 abgerissen. Der nach Osten versetzte Ort bestand lange Jahre nur aus acht Häusern und blieb weitgehend bedeutungslos. Eine kurze Blütezeit begann, als Rantum 1903 wegen der starken Bedrohung durch die Wanderdünen auf fünf Häuser geschrumpft war. Die Verbliebenen nahmen das verlassene Land in Gemeinbesitz. Ihre Einnahmen aus dem Verkauf des Dünenhalms, aus dem Weidegeld für fremde Schafe und aus der Jagdverpachtung überstiegen bei weitem die Ausgaben. 1906 verteilte die Gemeinde das Gelände zwischen Puan Klent und Westerland an die Hausbesitzer. Mit dem Bau des ersten Hauses im Stiindeelki (Steintal) begann 1933 Rantums Zukunft als Fremdenverkehrsort. 1936 hielt zunächst das Militär Einzug. Es wurden Kasernen für den Seefliegerhorst Rantumbecken errichtet und ein Schutzdeich. 1940 erhielt der Ort elektrischen Strom von Westerland.
1947/48 trennte sich Rantum von Hörnum und bildete eine eigene Gemeinde. Wohl auch wegen der vorgeschriebenen Reetbedachung wurde das sich entwickelnde "Dorf in der Düne" bei Feriengästen immer beliebter und erwarb 1973 das Prädikat Nordseebad. Aus den Militäranlagen des Zweiten Weltkriegs entstanden das ADS-Kinderheim, das Familienferienhaus Stegerwald, das Ferienwohnheim Immenhus und das Erholungsheim Raanhüs. Als katholisches Gotteshaus diente 1975-99 Stella Maris, eine umgebaute Baracke. Seit 1989 schützt ein Deich das Wohngebiet Rantum-Inge. Die Gemeinde verbucht jährlich über 45 000 Touristen, also rund 100 Gäste pro Einwohner. Für sie wurde 1977 auf der Wattseite ein kleiner Sport- und Segelboothafen angelegt. Sehr beliebt sind auch die legendären südlichen FKK-Strandabschnitte Samoa und Sansibar.

Friesische Straßennamen in Rantum und ihre Bedeutung:
Dikwai: "Wallweg"; Dik = Deich, Steinwall; Wai = Weg.
Dünem-Wai: "Dünenweg"; Dünem = Düne; Wai = Weg.
Henning-Rinken-Wai: Henning Rinken (1777-1862) war Kapitän, Gemeindevorsteher und bedeutender Sylter Chronist; Wai = Weg.
Inge-Wai: "Weg zu den Wiesen"; Ingi = Wiese (Flurname: Raantem Ingi); Wai = Weg.
Merret-Lassen-Wai: Merret Lassen (1789-1869) aus Rantum war mit dem aus Norwegen stammenden Prisenmeister Peter Nicolai Lassen verheiratet. Sie gebar 21 Kinder (vgl. den Roman "Die Lassens von Sylt" von Gondel Wielandt) und begründete das bedeutende Sylter ?Lassen-Geschlecht; Wai = Weg.
Stiindeelke: "Steintälchen"; Stiin = Stein; Deelke = kleines Dünental.

Brich 1998, Hubertus Jessel 1989, Jessen 1967, Kohl 1846, Laur 1992, Leonhardt 1980, Rinken 1992.








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