Nieblum

(fries.: Njiblem) Die Föhrer Gemeinde mit dem Ortsteil Goting liegt rund fünf Kilometer westlich der Hafenstadt Wyk im Amt Föhr-Amrum. Etwa 1438 wurde Villa Nebulum erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname bedeutet „Neue Siedlung“ und bezieht sich auf eine jüngere Siedlung bei der Sankt Johannis-Kirche. Sie ist das wohl älteste Zeugnis aus der Geschichte des Ortes. Der Backsteinbau stammt aus dem 13. Jahrhundert und enthält Reste einer Vorgängerkirche. Im Inneren des „Friesendoms“, der größten und prächtigsten der drei Föhrer Kirchen, findet man einen spätgotischen Flügelaltar mit eingefügten Gemälden von 1753, eine Kreuzgruppe aus dem 15. Jahrhundert, eine Granittaufe (um 1200), eine Kanzel (1618) und den Epitaph Jacobs (1613).
Zahlreiche kunstvoll gestaltete Grabsteine erzählen aus dem Leben der Föhrer Kommandeure und Kapitäne, die im 17. und 18. Jahrhundert erfolgreich am Walfang teilgenommen hatten. Viele Reetdachhäuser im Ortskern stammen aus jener wirtschaftlichen Blütezeit.
Vom 15. Jahrhundert bis 1864 war die Insel politisch geteilt. Osterland-Föhr gehörte zum Herzogtum Schleswig, Westerland-Föhr (nebst Amrum) direkt zum Königreich Dänemark. Die Grenze verlief entlang der Hauptstraße mitten durch Nieblum. Seit 1676 hatten hier die Land- und Birkvögte von Westerland-Föhr ihren Sitz. Mit dem Übergang in das Deutsche Reich wurden Verwaltung und Justiz nach Wyk verlegt.
Die Landwirtschaft spielte in Nieblum nie eine bedeutende Rolle. Heute bewirtschaften 14 Betriebe etwa 522 Hektar Fläche. Seit gut einhundert Jahren bestimmt der Fremdenverkehr die Geschicke der Gemeinde. Seit 1976 darf sie sich Seebad nennen. Rund 610 Einwohner leben auf einer Fläche von 786 Hektar und können auf alle Einrichtungen des täglichen Lebens zurückgreifen. Lediglich die Schulen befinden sich in den Nachbargemeinden. Rund 3 000 Betten sorgen für knapp 300 000 Übernachtungen im Jahr.

Friesische Straßennamen in Nieblum und ihre Bedeutung:
Bobdikem: „oberhalb des Walles“; bop = oben, oberhalb; dik = Wall, Deich; -em = Lokativ.
Bobmeere: Flurname, „oberhalb von Meere“; bop = oben, oberhalb; meere = flaches, stehendes Gewässer, versumpfte Niederung.
Brukswai: Flurname, „Weg am Sumpfland“; bruk = Bruch (Sumpfland, Moor); wai = Weg.
Deelswai: „Talsweg“; deel = Tal; wai = Weg.
Greenwai: „Grüner Weg“; green = grün; wai = Weg.
Guatingwai: „Gotingerweg“; Guating = Goting; wai = Weg.
Namine-Witt-Wai: Namine Witt (1843-1930) verfasste zahlreiche Gedichte auf Fering, Plattdeutsch und Hochdeutsch; wai = Weg.
Uasteranjstich: „Osterendeweg“; uaster = östlich; aanj = Ende; stich = Weg, Steig.
Wikingwai: „Wikingerweg“; wai = Weg.








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