List

(List; mittelniederdeutsch: Liste = Leiste, Streifen, Kante) Die ehemals amtsfreie Gemeinde liegt im Norden der Insel in rund 15 Kilometern Entfernung von Westerland. Seit 2004 gehört sie zum Amt Landschaft Sylt. Auf einer Fläche von 1 847 Hektar leben 1.540 Einwohner (2008) und etwa 1.100 Zweitwohnungsbesitzer. Zu List gehören die Ortsteile Westerheide, Süderheidetal und Mellhörn.
List wurde 1292 erstmals urkundlich erwähnt. Damals gelangte das Listland als Schenkung des dänischen Königs Erich Menved an die Stadt Ripen (Ribe). Es blieb dänisches Staatsgebiet bis 1864 und ist heute amtsfreie Gemeinde im Kreis Nordfriesland. Eine erste Besiedlung fand vermutlich zur Wikingerzeit statt, wie ein Münzfund mit "Danegeld" nahe legt. Bei der Sturmflut von 1362 wurde das alte Kirchspiel List zerstört. Ein letztes Lebenszeichen datiert vom Beginn des 15. Jahrhunderts, als eine Kirche in Norder-List auf Sankt Jürgen geweiht wurde. Vermutlich fiel sie der Allerheiligenflut 1436 zum Opfer. Reste von Alt-List, das nach seiner Zerstörung von Wanderdünen bedeckt wurde, fand man 1905 und 1929 im Mannemorsumtal westlich von List.
Um 1550 entstand eine Nachfolgesiedlung auf Melhörn. Seit dem 16. Jahrhundert lebten die Lister vorwiegend von der Austernfischerei, der Schafzucht und dem Handel mit Möweneiern. Im Königshafen vor List lieferten sich gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges die Dänen eine historische Seeschlacht mit Schweden und Niederländern. 1863 erbaute der dänische Staat eine Schule mit einem Kirchsaal in List. Ein Jahr später kam als Ergebnis des deutsch-dänischen Krieges das Listland zusammen mit den anderen reichsdänischen Enklaven "an die Majestäten von Preußen und Österreich".
1908 wurde der kleine Ort mit seinen 13 Häusern und rund 70 Menschen durch den Bau der Inselbahn an das Sylter Leben angeschlossen. 1910 kam die Staatlich Preußische Austernanlage von Husum nach List. Heute befindet sich in der Blidselbucht der einzige Austernkulturbetrieb Deutschlands. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der strategisch wichtige Ort zum Militärstützpunkt mit Seefliegerhorst. 1924 erhielt die damalige Außenstelle der Biologischen Anstalt Helgoland in List eine Wattenmeerstation. 1933-39 wurde List erneut militärisch ausgebaut und befestigt. Die Einwohnerzahl stieg von 449 im Jahre 1933 auf knapp 3 000 im Jahre 1939 an, Wehrmachtsangehörige nicht mitgezählt. Dies erforderte den Bau der Sankt Jürgen-Kirche und einer neuen Schule.
Nach Kriegsende zogen Flüchtlinge und Heimatvertriebene in die Baracken und freien Häuser ein. Rund 2 000 Menschen, darunter auch etwa 15 Familien von der evakuierten Insel Helgoland, mussten vorübergehend aufgenommen werden. Der 30 mal 106 Meter große Hangar des Seefliegerhorstes wurde demontiert und 1951 in Kiel als "Ostseehalle" wieder aufgebaut. Mit der Gründung der Bundeswehr 1955 kehrte das Militär erneut nach List zurück. Die Marineversorgungsschule und der Marinechor galten seitdem als Aushängeschilder der nördlichsten Gemeinde Deutschlands. 2001 jedoch wurde die Schließung der Schule zum Jahr 2007 beschlossen.
1946 wurde List Nordseebad. Seine Hauptattraktion ist der Hafen. Seit 1963 verkehren von hier regelmäßig Autofähren der Rømø-Sylt Linie (RSL) zur Nachbarinsel Röm und bilden eine Alternative zum Hindenburgdamm. 1977 öffnete das "Haus des Kurgastes" mit Bewegungsbad, Sauna und Massageabteilung seine Pforten, doch bereits 2000 musste das an heutigen Kriterien gemessene unästhetische Gebäude dem Thalasso-Hotel weichen. Im Süderheidetal und in der Westerheide, den Dünengebieten vor der Blidselbucht, entstand 1961 die Feriensiedlung Sonnenland.
Die beiden Kirchen in List sind jüngeren Datums. Die protestantische, unter Denkmalschutz stehende Sankt Jürgen-Kirche wurde 1935 als Garnisonskirche erbaut. Die katholische Kirche Sankt Raphael stammt aus dem Jahr 1988. Der Lister Friedhof liegt außerhalb des Ortes in den Dünen. Auffallend sind die vielen Gräber von Helgoländern, die während der Zwangsevakuierung ihrer Insel nach dem Zweiten Weltkrieg nach Sylt übersiedelten.
Besonders sehenswert ist die Sylter Sahara, ein jährlich mehrere Meter ostwärts wanderndes Dünengebiet im Westen des Ortes. Für Naturfreunde empfiehlt sich eine Führung zu der Vogelinsel Uthörn im Königshafen.

Dannenberg 1996, Jürgs/Trost 1978, Leonhardt 1980, Panten 2001e u. 2002b, Rinken 1992, Syltbild Stöver 1992.








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