Keitum

(fries.: Kairem) Das Dorf gehört seit 1970 zur Gemeinde Sylt-Ost im Amt Landschaft Sylt, das hier bis Ende 2008 seinen Verwaltungssitz hatte. Auf einer Fläche von 1 040 Hektar leben rund 980 Einwohner (2007) und 890 Zweitwohnungsbesitzer. Eine erste Beurkundung des Ortes Keytum findet man 1462 im Zinsbuch des Bistums Schleswig. Die Deutung des Namens ist unklar. Eventuell ist das "Heim (Siedlung) des Kei oder Keit" gemeint, vielleicht stammt er auch von "Heidum" und bedeutet "auf der Heide". Am Ortsrand steht auf einer Erhebung die Kirche Sankt Severin. Auf ihrem Friedhof ruhen viele bekannte Persönlichkeiten, die zumindest einen Teil ihres Lebens auf der Insel verbracht haben. Die Küstenlinie bei Keitum ist bewachsen und trägt deshalb die Bezeichnung Grünes Kliff.
Den Ortskern zieren viele besonders schöne utlandfriesische Häuser. Das Sylter Heimatmuseum befindet sich in einem 1759 erbauten Friesenhaus und wird vom Verein Söl'ring Foriining betreut. Im zweiten Museum Keitums, dem Altfriesischen Haus von 1739, lebte einst der Lehrer und Inselchronist C. P. Hansen. Ein Denkmal erinnert an Uwe Jens Lornsen, der 1793 im Lornsenhaus geboren wurde und 1830 für einige Tage Landvogt von Sylt war.
Keitum war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Inselgemeinde. Seit 1612 stand hier die größte Sylter Mühle. 1820 wurde unter namhafter Beteiligung der Kapitäne Jens Bleicken (1783-1859) und Jens Booysen (1765-1833) der Hafen ausgebaut. Er bildete trotz dauernder Fahrwasserprobleme bis 1867 den wichtigsten Kontakt der Insel zum Festland. Das 1829 erbaute Packhaus erinnert noch an diese Zeit. 1816 wurde eine Zollstation eingerichtet, 1829 ging eine Rapsmühle in Betrieb. Sie nutzte die Hafennähe, denn der Raps wurde von der Festlandsmarsch bezogen und das gewonnene Öl nach Altona verkauft. Als der Hafen 1859 verschlickte, rückte Munkmarsch in den Mittelpunkt der Fährschifffahrt.
Nach dem Bau des Hindenburgdamms 1927 erhielt Keitum Bahnanschluss, doch fuhren die meisten Inseltouristen bis Westerland durch. Erst 1950 erwarb die Gemeinde das Prädikat "Luftkurort". Neuere Einrichtungen sind das beheizte Meerwasserfreibad (1969), das "Haus des Kurgastes" (1978) und der Friesensaal (1985). 1993 entstand an der Grenze zu Tinnum das Sportzentrum Sylt-Ost. In den letzten Jahrzehnten siedelten sich zahlreiche Galerien, Läden und Werkstätten in Keitum an. Töpfereien, Goldschmieden und Webstuben erhoben den Ort zum Zentrum des Kunsthandwerks auf Sylt.
1890 gründete sich ein "Verschönerungsverein", um "durch Anpflanzung von Bäumen ... den Ort Keitum zu verschönern". Die Auswirkungen zeigen sich bis heute. Wegen ihres reichen Baumbestandes - die in den 1990er Jahren von Schädlingen befallenen Ulmenalleen und -gärten wurden durch Kastanien und Linden ersetzt - gilt die Gemeinde als das "Grüne Herz der Insel". 1963 gewann sie den 1. Preis im bundesweiten Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden".

von Bremen 1999, Fiedler 2000, Hubertus Jessel 1989, Leonhardt 1980, Rinken 1992, Voß 1987.

Friesische Straßennamen in Keitum und ihre Bedeutung:
Andreas-Hübbe-Wai: Andreas Hübbe (1865-1941), als Sohn des Sylter Landvogts Friedrich Johannes Hübbe in Keitum aufgewachsen, war Exportkaufmann in Hamburg, Sylter Sprachpfleger und Verfasser zahlreicher friesischer Gedichte und Lieder; Wai = Weg.
Benendikenwai: "Weg innerhalb der Steinwälle"; benen = innerhalb; dik = Deich, Steinwall; Wai = Weg.
Boy-Peter-Möller-Wai: Boy Peter Möller (1843-1922) aus Keitum war Schulrektor in Hamburg, Verfasser eines Sylterfriesischen Lesebuchs und Wörterbuchs sowie Begründer der neueren Sylter Rechtschreibung; Wai = Weg.
Dikwai: "Wallweg"; Dik = Deich, Steinwall; Wai = Weg.
Erich-Johannsen-Wai: Erich Johannsen (1862-1938) aus Keitum war friesischer Heimatdichter und Verfasser volkstümlicher Bühnenstücke und Lieder; Wai = Weg.
Frachtenstegelk: "Liebespfad", der Weg, auf dem man vom Tanz sein Mädchen nach Hause brachte; Fracht = Mädchen (Seefahrerausdruck); Stegelk = Fußpfad.
Gaat: "Dorfgasse"; Gaat = Hohlweg, an dessen beiden Seiten die Grundstücke ansteigen.
Gurtstig: "Große Straße"; gurt = groß; Stich = Weg, Straße.
Hingstwai: "Pferdeweg"; Hingst = Pferd; Wai = Weg.
Hoyerstig: "Hoyerweg", führte zum alten Keitumer Hafen mit Schiffsverbindung nach Hoyer (sy. Hua?er, dän. Højer), Hafenort am gegenüberliegenden Festland; Stich = Weg, Straße.
Ingiwai: "Weg zum Wiesenland"; Ingi = Wiese; Wai = Weg.
Klenterdeel: Flurname, "Tal zwischen den Anhöhen"; Klenter = Anhöhen; Deel = Tal.
Kliiriwai: "Rotschenkelweg"; Kliiri = Rotschenkel (Vogel); Wai = Weg.
Lörkiwai: "Lerchenweg"; Lörki = Lerche; Wai = Weg.
Lüüvwai: "Austernfischerweg"; Lüüv = Austernfischer (Vogel); Wai = Weg.
Melnwai: "Mühlenweg"; Meln = Mühle; Wai = Weg.
Pröstteft: "Pastorenkoppel"; Pröst = Pastor; Teft = Hauskoppel, in Hausnähe liegende Weide.
Pröstwai: "Pastorenweg"; Pröst = Pastor; Wai = Weg.
Senwai: "Sonnenweg"; Sen = Sonne; Wai = Weg.
Siidik: Flurname, "Deich am Salzwasserbach"; Sii = Salzwasserbach, Wehle; Dik = Deich, Steinwall.
Takerwai: "Dachdeckerweg"; Taker = Reetdachdecker; Wai = Weg.
Tweskdiker: "zwischen den Steinwällen"; twesk = zwischen; Dik = Deich, Steinwall.
Uwe-Jens-Lornsen-Wai: Uwe Jens Lornsen (1793-1838), Kapitänssohn aus Keitum, war zunächst Referent in der Deutschen Kanzlei in Kopenhagen, später Sylter Amtmann; Vorkämpfer für die Eigenständigkeit Schleswig-Holsteins und eine liberale Verfassung; Wai = Weg.
Winjshoog Gung: Flurname, "Ackerkomplex am Wotanshügel"(?), vielleicht alter Kulthügel in der Nähe der um 1150 erbauten Keitumer Kirche (vgl. Faltings 1996, S. 54-56); Winj möglicherweise = Wotan (Wodan), germanischer Hauptgott (vgl. Winjsdai, engl. Wednesday = Mittwoch, eigentl. "Wotanstag"); Hoog = Grabhügel; Gung, Nebenform von Wung = Ackerkomplex.








Nordfriesland-Datenbank.de powered by NordfiiskInstituut.de

Nordfriisk Instituut

Impressum Haftungsausschluss