Kampen

(sylterfries.: Kaamp) Die Gemeinde im Amt Landschaft Sylt liegt auf der hohen Geest, rund 27 Meter über Normal Null, etwa sechs Kilometer nördlich von Westerland. Auf einer Fläche von 847 Hektar leben knapp 600 Einwohner (2008). Hinzu kommt fast die doppelte Anzahl an Zweithausbesitzern, ein Verhältnis, das nirgendwo sonst in Nordfriesland überboten wird.
1543 wurde Kampen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname bedeutet "abgesteckte Feldflur". 1745 zählte man 21 Häuser mit 102 Einwohnern. Darunter befanden sich nur 22 Männer. Die Gefahren der Seefahrt hatten die männliche Bevölkerung dezimiert. 1762 erhielt der Ort eine Schule, fünf Jahre später wurde die Vogelkoje angelegt. Die ersten Badegäste kamen 1856, doch erst zwanzig Jahre später stellten die Brüder Bleicken auch am Kampener Strand Badekarren auf. Mit dem Bau des Kurhaus-Hotels 1894 war die Entwicklung des kleinen Ortes nicht mehr aufzuhalten. "Prominente" Häuser jener Zeit waren Kliffende, der Klenderhof oder Uhlenkamp. Hier bildete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Kunstschriftstellers Ferdinand Avenarius (1856-1923) ein kleines Künstlerzentrum heraus. 1924 bekam Kampen ein eigenes Elektrizitätswerk. 1927 löste sich der Ort aus dem Verbund der Norddörfer und wurde eine selbstständige Landgemeinde. Während des Dritten Reichs fanden einige Verfolgte des Nazi-Regimes Unterschlupf im Dorf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf der Bildhauer Günter Rieck (1910-1983) aus einer ehemaligen Flakstellung die "Kupferkanne", aus den Baracken des Lagers "Skagerrak" wurde das Jugendseeheim Kassel. 1956 entstand das Kaamp Hüs als "Haus des Kurgastes" sowie Sitz von Gemeinde- und Kurverwaltung, 1961 die Kunsthalle und 1968 die bislang letzte Version einer "Sturmhaube" am nahen Kliff.
Vor allem in den 1960er und 70er Jahren übte Kampen eine hohe Anziehungskraft auf Künstler, Politiker, Wirtschaftsmagnaten und Lebemenschen aus sowie auf jene, die ihnen gerne nahe kommen wollten. Doch trotz vieler Neubauten weist der Ort auch heute noch ein recht harmonisches Ortsbild auf, ein Statut von 1913 schreibt den traditionellen "Friesenhausstil" mit Rotstein und Reetdach vor. 1971 erhielt Kampen das Prädikat Nordseebad. Rund 40 000 Feriengäste verbringen jährlich ihren Urlaub in Deutschlands wohl prominentestem Dorf.
Im Osten des Ortes liegen mehrere Grabhügel. Die Uwe-Düne im Westen ist die höchste Erhebung auf der gesamten Insel. Überstrahlt wird sie nur von "Christian", dem Leuchtturm von 1855 und Kampener Wahrzeichen.

Gemeinde Kampen 1994, Leonhardt 1980, Rinken 1992, Spreckelsen 1978a, 1981, 1991 u. 1996, Wedemeyer 1986.

Friesische Straßennamen in Kampen und ihre Bedeutung:
Börderstich: Börder heißen die Langgräber ("Riesenbetten") bei Kampen. Die Bedeutung von Bört ist unsicher, evtl. ist ein Grabhügel gemeint, der von einer Steinsetzung eingesäumt ist (vgl. Faltings 1996, S. 31f.); Stich = Weg, Straße.
Börderwai: Zu Börder siehe "Börderstich"; Wai = Weg.
Büürlön: Flurname, "Gemeindeland"; Büür = Bauerschaft, Gemeinde; Lön = Land.
Dikstig: "Wallweg"; Dik = Deich, Steinwall; Stich = Weg, Straße.
Esling-Wung: Flurname, "Esling Acker"; Esling = Bedeutung unbekannt; Wung = Ackerkomplex.
Finn-Wai: "Finn-Weg"; Finn, nach einer Sylter Sage der König der Unterirdischen, wohnte im Raisihoog; Wai = Weg.
Grönning: Flurname; Bedeutung wohl "Grünung, Grünland".
Hans-Hansen-Wai: Hans Harald Hansen (1909-1990), Elektroingenieur und Kommunalpolitiker, war von 1951-55 und 1973-86 Bürgermeister von Kampen; Wai = Weg.
Hoogenkamp: Flurname, "hoch liegende Feldflur"; hoog = hoch; Kaamp = Feldflur.
Jürgen-Kamp-Wai: Jürgen Peter Kamp (1867-1968) war Landarzt, Gemeindevertreter und stellvertretende Bürgermeister von Kampen; Wai = Weg.
Kroghoogerwai: eigentl. Krokhooger, Name einer Hügelgruppe bei Kampen; Krok = Ackersenf; Hoog = Grabhügel; Wai = Weg.
Pück-Deel: "Koboldtal"; Pük = Kobold (Hauskobold); Deel = Dünental.
Riperstieg: "Ripener Weg", alte Heerstraße auf der Heide zwischen Kampen und Westerland; Riepen, dän. Ribe = alter Bischofssitz in Jütland; Stich = Weg, Straße.
Sjip-Wai: "Schafsweg"; Sjip = Schaf; Wai = Weg.
Stapelhoogerwai: "Weg zu den Stapelgrabhügeln"; Staapel = Holzstapel; Hooger = Grabhügel (Mz.).
Strönwai: "Strandweg"; Strön = Strand; Wai = Weg.








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