Halligen

Die zehn Halligen im nordfriesischen Wattenmeer bilden einen einmaligen menschlichen Lebensraum. Nirgendwo sonst gehört die regelmäßige Überflutung des Landes in solchem Maße zum System. Die größeren Halligen verfügen allerdings inzwischen über niedrige Deiche, mit denen die Häufigkeit des "Landunter" deutlich gesenkt werden konnte. Im Zuge der 1953 begonnenen Halligsanierung erhielt jedes Wohnhaus inzwischen einen auf tief gegründeten Betonpfählen ruhenden Schutzraum.
Seit der "Halligenflut" am 4. Februar 1825 ist auf den Halligen kein Mensch mehr einer Sturmflut zum Opfer gefallen. Damals waren es 74. Die kleinen Eilande erlangten durch diese Katastrophe erstmals die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Der Landesherr, Dänenkönig Friedrich VI., rief zur Hilfe auf und kam zur Besichtigung, wobei er auf Hooge übernachtete und so dem Königspesel auf der Hanswarft zu seinem Namen verhalf. Durch die Befestigung der Abbruchkanten wurde schließlich der über Jahrhunderte andauernde Landverlust zum Stillstand gebracht. Die Hamburger Hallig, Langeneß, Nordstrandischmoor und Oland sind durch Dämme mit dem Festland verbunden.
Im 17. und 18. Jahrhundert arbeiteten die meisten Männer von den Halligen als Seefahrer. Durch die Kriegszeiten um 1800 war diese Erwerbsmöglichkeit weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Halligleute waren wiederum auf ihre eigenen Ressourcen angewiesen: Feuerung etwa gewannen sei aus getrocknetem Kuhdung, der zu handlichen Ditten verarbeitet wurde. Das Land wurde bis in die 1950er Jahre hinein mittels eines äußerst komplexen Aufteilungs-Verfahrens als Allmende genutzt. Die Wasserversorgung basierte auf dem Sammeln der Niederschläge. Bei der Errichtung der Halligwarften wurde stets als erstes der Fething angelegt, ein Regenwasserspeicher, aus dem das Vieh getränkt wurde. Außerhalb der Warft unterhielt man ein niedrig umwalltes Grabensystem, den Schetel, in dem zusätzlich Regenwasser gesammelt und mittels einer Rohrleitung in den Fething geleitet wurde. Für den menschlichen Gebrauch wurde das Wasser im ummauerten Soot gesammelt.
Inzwischen sind alle ständig bewohnten Halligen an die festländischen Versorgungsnetze für Strom und Wasser angeschlossen. Zuletzt begann auf Gröde die Moderne, und zwar 1976.
Die Bedeutung der früher dominierenden Landwirtschaft ist auf den Halligen stark zurückgegangen. Die meisten Arbeitsplätze bietet heute der Küstenschutz. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr. Die Halligen sind seit langem für den Naturschutz besonders wichtig. Seit 1972 sind Habel, Südfall, Norderoog und Süderoog Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.








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