Gröde

(fries.: e Grooe) Die Hallig Gröde-Appelland ist eine der zehn Halligen im nordfriesischen Wattenmeer. Sie gehört zum Amt Pellworm und bildet die kleinste politische Gemeinde Deutschlands. Der Name Gröde bedeutet "Anwachs", leitet sich ab vom friesischen grööd, gröör und ist verwandt mit dem mittelniederdeutschen grove bzw. dem englischen to grow. 1438 wurde Gruden erstmals urkundlich erwähnt. Die Hallig liegt rund 16 Kilometer westlich von Bredstedt, vom Seedeich des Sönke-Nissen-Kooges trennen sie etwa 6,5 Kilometer. Zu erreichen ist das Eiland nur mit dem Schiff bei Hochwasser. Zur Gemeinde gehört auch unbewohnte Hallig Habel.
Gröde, 1902 durch Uferbefestigung mit der ehemaligen Hallig Appelland fest verbunden, umfasst (277) 252 Hektar Land, wovon vier landwirtschaftliche Betriebe rund 200 Hektar nutzen. Sie ist die letzte Hallig, auf der das Grasland in Allmendewirtschaft beweidet wird, wie es noch bis in die 1950er Jahre auf allen größeren Halligen der Fall war. Gehalten werden nur noch Schafe, Rinder vom Festland grasen als so genanntes Pensionsvieh in den Sommermonaten auf der Hallig. Regelmäßig fallen im Frühjahr Tausende von Ringelgänse auf Gröde ein. Auf den Salzwiesen sammeln sie die Fettreserven für ihren Weiterflug nach Sibirien.
Gröde ist nur mit einem etwa 3,50 Meter hohen Ringwall umgeben. Etwa 50 Mal im Jahr übersteigt die Flut den Sommerdeich, und die Hallig läuft voll Wasser. Landunter muss gemeldet werden. Die 11 Halligbewohner leben deshalb auf zwei erhöhten Warften, der Knudtswarft mit vier Häusern und der Kirchwarft. Bei der Sturmflut 1962 wurden fast alle Häuser so sehr beschädigt, dass sie neu errichtet werden mussten. Jetzt weisen sie unter dem Reetdach einen Schutzraum auf, in den sich die Menschen auch bei höchsten Wasserständen sicher fühlen können. Erst 1976 erhielt Gröde Anschluss an die Stromversorgung vom Festland. Im selben Jahr wurde auch eine Trinkwasserleitung durch das Watt gelegt. Davor diente getrockneter Kuhdung (Ditten) zum Heizen, Trinkwasser für Mensch und Vieh wurde in Brunnen (Fething, Schetel, Soot, Zisterne) gesammelt.
In dem einzigen Gebäude auf der Kirchwarft befinden sich die Halligkirche Sankt Margarethen, die Grund- und Hauptschule Gröde sowie eine Lehrerdienstwohnung. Der Kirchraum wurde 1779 errichtet und ist wahrscheinlich bereits das siebte Gotteshaus - die Vorläufer fielen allesamt Sturmfluten zum Opfer. Der Altar von 1592 besitzt einen fragmentarischen Renaissanceaufbau mit zwei Klappflügeln. Die vierseitige Kanzel stammt aus dem 16. Jahrhundert, der achteckige Schalldeckel mit Engelsköpfchen aus dem Jahr 1695. Gröde ist eine eigenständige Kirchengemeinde, wird aber von der Pfarrstelle Hallig Langeneß betreut. Je nach Wetterlage findet alle vier bis fünf Wochen ein Gottesdienst in Sankt Margarethen statt. Die Zwergschule wurde erst 1987 wieder in Betrieb genommen. Eine Lehrerin unterrichtet alle Fächer nach offiziellem Lehrplan von Klasse 1 bis 9. Zurzeit (2003) gibt es einen (?) Schüler. [JEWEILS AKTUELLE ZAHLEN]
Neben der Landwirtschaft dient die Arbeit im Küstenschutz dem Broterwerb, außerdem werden fünf Ferienwohnungen vermietet. Der einzige Gewerbebetrieb ist ein Kiosk. In erster Linie dient er dem Tagestourismus, bis zu 150 Besucher werden in den Sommermonaten täglich auf der Hallig gezählt. Sie kommen per Schiff oder als Teilnehmer von Wattwanderungen. Die Halligbewohner bestellen ihre Lebensmittel einmal wöchentlich auf dem Festland und erhalten ihre Ware ebenso wie die Post per Schiff.
Bundes- und landesweite Aufmerksamkeit erreicht die Hallig regelmäßig bei Wahlen. Die Ergebnisse der Gemeinde Gröde können bereits Minuten nach Schließung der Wahllokale bekannt gegeben werden.

Schleswig-Holstein Topographie, HN 5.12.2003.
Marcus Petersen: Die Halligen. Küstenschutz - Sanierung - Naturschutz, Neumünster 1981.
Georg Quedens: Die Halligen, Breklum 1975.
Albert Renger-Patsch: Die Halligen, Berlin 1927.
Erich Wohlenberg: Die Halligen Nordfrieslands, Heide 1969.








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