Amrum

(friesisch: Oomram) Die Insel liegt im nordfriesischen Wattenmeer südlich der Insel Sylt und westlich der Insel Föhr. Sie hat eine Größe von 20,42 Quadratkilometern. Eindrucksvolle landschaftliche Formationen sind der bis zu 1,5 Kilometer breite und etwa 15 Kilometer lange Kniepsand an der Westküste und der sich binnenwärts anschließende etwa 1,5 Kilometer breite Dünengürtel. Der überwiegende Teil der Insel ist Geestland, im Norden liegt die flächenmäßig sehr kleine Norddorfer Marsch. Amrum besitzt mit rund 200 Hektar Wald den größten Baumbestand aller nordfriesischen Inseln.
Traditionell lebten die Amrumer von der Seefahrt, zunächst beim Walfang, später in der Handelsschifffahrt. Auch Bergelöhne für das Heben gesunkener SchiffeFoto aus Payns-Archiv sowie die in der Vogelkoje erzielten Erträge stellten einen nicht unerheblichen Einkommensanteil dar. Die Landwirtschaft spielte eher eine Selbstversorgerrolle, denn weite Teile der Insel waren und sind auch heute noch von Dünen und Heiden bedeckt. Der Staatswechsel von Dänemark zu Preußen 1864 bedeutete einen schwerwiegenden Eingriff in die Bevölkerungsstruktur, denn vor allem junge und tatkräftige Leute entzogen sich der preußischen Militärpflicht und den verschärften Auflagen in der Seemannslaufbahn durch Auswanderung nach Nordamerika.
Der 1875 in Betrieb genommene, mit 64 Metern höchste Leuchtturm der deutschen Nordseeküste darf auch heute noch bestiegen werden, und auch zwei Mühlen konnte man erhalten. Eine davon, ein "Erdholländer" von 1771 in Nebel, dient seit 1964 als Amrumer Heimatmuseum. Auf dem Kirchhof der Sankt Clemens-Kirche in Nebel stehen 90 "sprechende Grabsteine", die teilweise ganze Lebensläufe vor allem von Seefahrern in Bild und Text wiedergeben. Vorgeschichtliche Grabhügel zeugen von einer menschlichen Besiedlung der Insel seit der Jungsteinzeit.
1890 begann der Aufstieg Amrums zum viel besuchten Nordseebad. Ein einheimischer Kapitän baute das erste Hotel aus Wellblech in Wittdün und begründete damit den Badeort mitsamt seiner inselfremden Architektur. Heinrich Andresen aus Kappeln besorgte den weiteren Aufbau und das Management des Seebades. Fast gleichzeitig errichtete der eigentlich zur Abwehr eines geschäftlichen, weltlichen Badelebens gerufene Pastor Friedrich von Bodelschwingh in Norddorf seine Seehospize. In der Inselmitte bei Nebel entstand ein großes Kurhaus im schweizerischen Fachwerkstil. Vier Reedereien brachten aus Hamburg, Bremerhaven, Husum und Dagebüll die Besucher herbei. Zur Weiterbeförderung der Gäste entstand 1893 eine Eisenbahn von Wittdün zum Kniepsand. In der Folge kam es zu einer umfangreichen Einwanderung von Auswärtigen, vor allem Bauhandwerkern und Saisonpersonal.
Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die friesische Sprache der Insel, das Öömrang, aus. Während vor dem Zweiten Weltkrieg die neu Zugezogenen noch überwiegend Friesisch lernten, kehrten sich die Verhältnisse später um. Öömrang ist heute eine vom Aussterben stark bedrohte Sprache. Günstiger sieht es für ein inselgerechtes Bauen aus. Hier bewirkten die veränderten Ansprüche der Gäste und Amrum-Fans aus den Großstädten, dass viele Häuser mittlerweile originalgetreu renoviert oder neu gebaut wurden. Der Bauboom vernichtete allerdings einen Großteil der alten Gemütlichkeit und erzeugte die enormen infrastrukturellen Probleme eines Massentourismus. Die rund 12 000 Besucherbetten sind heute die nahezu alleinige Erwerbsgrundlage der Amrumer.
Die Insel ist mit dem Schiff zu erreichen. Die Linienverbindungen zum Festland verlaufen über Wyk auf Föhr nach Dagebüll sowie über die Halligen Langeneß und Hooge nach Schlüttsiel im Hauke-Haien-Koog. Auch von Hörnum/Sylt gibt es regelmäßige Schiffsverbindungen nach Amrum. Bei Ebbe kann man zu Fuß in zwei Stunden zur Nachbarinsel Föhr gelangen.








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