Mittelalter

Die Nordfriesen hatten im Mittelalter einen relativ unabhängigen Status im dänischen Königreich. Die Harden der Utlande waren der Landesherrschaft nur bedingt unterworfen, sprachen teilweise ihr eigenes Recht, schlossen eigenständige Verträge und unternahmen es sogar, eigenständig Krieg zu führen. Basis dafür war zum einen die damalige wirtschaftliche Stärke dieser Gebiete, die sich auch in politische Kraft ummünzen ließ. Zum anderen waren die Utlande mit den damaligen Verkehrsmitteln nur unter Schwierigkeiten zu erreichen, so daß eine militärische Invasion auf technische Probleme stieß.
Gleichwohl versuchten die Fürsten gerade wegen des verlockenden Wohlstandes, die friesischen Utlande dauerhaft unter ihre Botmäßigkeit zu bringen und zu regelmäßigen Steuerzahlungen anzuhalten. Den Gang der Geschichte zeigen zwei mittelalterliche Schlachten. Im Jahre 1252 zog der dänische König Abel nach Eiderstedt, um hier die königliche Landsteuer durchzusetzen. Diese hatte sein Bruder und Vorgänger Erik IV. "Plogpenning" eingeführt. Die Eiderstedter verschworen sich, ihre angeblich auf ein Privileg Karls des Großen zurückgehende Freiheit mit dem Leben zu verteidigen. Über mehrere Tage zog sich der Kampf um das königliche Lager bei Oldenswort hin. Dabei nutzten es die Eiderstedter geschickt aus, dass etwa die Beweglichkeit des dänischen Heeres durch das Trockenfallen seiner Transportschiffe stark eingeschränkt war. Durch zahlreiche kleine Vorstöße in einer Art Guerilla-Taktik wurde das dänische Heer aufgerieben. Den König traf auf der Flucht ein tödlicher Pfeil.
Schon bald bemächtigten sich Sage und Legende der Schlacht bei Oldenswort. Der Tod des Königs sei die Strafe des Himmels gewesen, so die Zeitgenossen, für die von ihm veranlasste Ermordung seines Bruders. Im Zeichen des im 19. Jahrhundert aufbrechenden nationalen Konflikts wurde der Kampf dann fälschlich stilisiert zu einer Abwehrschlacht ganz Nordfrieslands gegen den dänischen Eindringling. Held der friesischen Kampfessage ist ein Zimmermann von Pellworm namens Wessel Hummer, der den König angeblich mit dem Beil erschlug und der sogar mit Wilhelm Tell verglichen wurde.
Die militärischen Möglichkeiten wurden effektiver, das zeigte 1344 die Schlacht bei Langstoft. Das Heer von König Waldemar IV. "Atterdag" schlug dort die Friesen der Bökingharde. Es handelte sich um einen von mehreren erfolgreichen Kriegszügen des Königs, dem schließlich eine ganze Reihe von friesischen Harden huldigten. Die Zeiten der weitgehenden friesischen Unabhängigkeit neigten sich deutlich dem Ende entgegen.








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