Harde

Harde (fries.: hiird; dän.: herred, Zusammensetzung aus hær = "Schar, Menge, Heer" und rath = "Rat") Ein Harde ist eine historische Verwaltungseinheit mit eigenständiger Gerichtsbarkeit. Die Bezeichnung ist ungewissen Ursprungs und hatte wahrscheinlich militärische Siegel BökinghardeBedeutung, übersetzbar etwa mit "Heerbezirk". An der Spitze stand der Hardesvogt, der zugleich als Verwaltungschef und Vorsitzender des Dings fungierte. Ab dem späten Mittelalter wurde zur effektiveren Kontrolle des Landes die Verwaltung neu strukturiert. Nun bildeten Siegel Eiderstedtjeweils mehrere Kirchspiele eine Harde. Als übergeordnete Institution diente das Syssel, später das Amt oder die Landschaft. Das vornehmste Privileg der Harden war die Gerichtsbarkeit. Zwölf Neffninge, aus jedem Hardesviertel drei, bildeten das Gericht. Bis über das Mittelalter hinaus waren sie zugleich auch zuständig für die verschiedenen Aufgaben in der Selbstverwaltung, etwa für Finanzen, Steuern und für das Deichwesen.Siegel Osterharde Föhr
Von den ursprünglich 17 Harden bestehen in Nordfriesland noch fünf dem Namen nach. Zum einen die drei noch bis Ende 2007 existierenden Amtsbezirke Wiedingharde (Neukirchen), Bökingharde (Niebüll) und Siegel PellwormKarrharde (Leck), weiter das Gebiet um Bredstedt, die Nordergoesharde, und das Gebiet südlich der Arlau bis Husum, die Südergoesharde.
Aus den drei Harden Eiderstedt, Everschop und Utholm wurde im 17. Jahrhundert die Landschaft Eiderstedt. Als Reste Alt-Nordstrands verblieben nach 1634 die ehemalige Edomsharde, das heutige Nordstrand, und die alte Pellwormharde, die Insel Pellworm. Die Landschaft Föhr bestand einst aus zwei Harden: dem zum Herzogtum Schleswig gehörenden Siegel WiedinghardeOsterland-Föhr und dem zum Königreich Dänemark gehörenden Westerland- Föhr nebst Amrum. Auch die Landschaft Sylt bildete eineSiegel Edomsharde eigene Harde.
Nach dem Anschluss an Preußen wurde 1867 zunächst die Gerichtsbarkeit abgetrennt. Aus den Harden wurden Hardesvogteibezirke. Die neue preußische Landkreisordnung brachte 1889 ihre endgültige Auflösung. Sie wurden zumeist durch Amtsbezirke ersetzt.

Goslar Carstens: Die Harde als alter Gerichtsbezirk. In: Schleswig-Holsteinische Anzeigen 210 (1963), Teil A, S. 224-231.
Wolfgang Laur: Syssel und Harde. In: ZSHG 106 (1981), S. 31-53.
Johannes von Schröder: Topographie des Herzogthums Schleswig, Schleswig 1837.








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