Friesisch

ist eine eigenständige westgermanische Sprache und gehört wie das Altenglische zum Nordseegermanischen. Die Sprache gliedert sich in drei Zweige: Dialektkarte

Nordfriesische FlaggeDie Aufteilung in zwei Dialektgruppen geht auf die unterschiedlichen Wellen der Besiedlung zurück; zunächst wurden im 7./8. Jahrhundert vor allem die Geestinseln in Besitz genommen, erst im 11. Jahrhundert die Festlandsmarschen. Die Abweichungen zwischen den Dialekten sind zumeist graduell. Das deutsche Wort ,Insel' z. B. heißt auf Sylt Ailön, auf Föhr und Amrum eilun, auf Helgoland Eelun, auf dem Festland ailönj, ailoun, ailöön usw. Es gibt jedoch auch erhebliche Unterschiede. Ein krasses Beispiel sind die friesischen Entsprechungen für ,Wange': auf Sylt Sjak, auf Föhr und Amrum sjuuk, auf Helgoland Suaak, auf dem Festland siik (= englisch cheek) bzw. für ,Tisch': auf Sylt Staal, auf Föhr und Amrum boosel (aus: bord-stall), auf Helgoland Taffel, auf den Halligen taafel, auf dem Festland scheew, sküuw (Scheibe).
Das Nordfriesische wurde zunächst stark vom Altdänischen beeinflusst. Selbst die Verneinung ek (nicht) stammt aus dem Dänischen (ikke). Später überwog die Einwirkung durch das Nieder- und das Hochdeutsche; diese beiden Sprachen herrschten seit der Reformation nacheinander auch in Kirche, Schule, Gericht und Verwaltung. Nordfriesisch hat sich erst relativ spät, seit dem beginnenden 19. Jahrhundert, zu einer Schriftsprache entwickelt. Im Verhältnis zur Sprecherzahl entstand eine recht umfangreiche und vielfältige friesische Literatur. Die friesischen Vereine setzten sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts für eine Berücksichtigung des Friesischen auch im öffentlichen Leben ein. In der Gegenwart wird an zahlreichen Schulen Nordfrieslands stundenweise friesischer Unterricht erteilt. An den Universitäten Flensburg und Kiel kann Friesisch studiert werden. Zentrale wissenschaftliche Einrichtung in Nordfriesland für die Erforschung und Förderung der friesischen Sprache und Kultur ist das 1965 eingerichtete Nordfriisk Instituut in Bredstedt, das u. a. eine Fachbibliothek unterhält und Veröffentlichungen herausgibt. In den Medien wird die Sprache sehr spärlich berücksichtigt. Der Norddeutsche Rundfunk strahlt regelmäßig nur drei Minuten wöchentlich auf Friesisch aus. In den Tageszeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, erscheint etwa monatlich eine Seite mit friesischen und niederdeutschen Artikeln.
Das ursprüngliche nordfriesische Sprachgebiet im gesamten Westen des heutigen Kreises Nordfriesland ist in den letzten Jahrhunderten von Süden her eingeengt worden. Zahlenmäßige Schwerpunkte befinden sich auf dem Festland in der Gemeinde Risum- Lindholm und vor allem im Westen der Insel Föhr. Nordfriesisch ist eine der kleinsten Sprachen in Europa. Es gehört zu den durch die Europäische Sprachen-Charta (für Deutschland in Kraft seit 1999) geschützten Minderheitensprachen. Bei ihren Bemühungen wird die friesische Volksgruppe durch das Land Schleswig-Holstein unterstützt, neuerdings auch durch die Bundesrepublik Deutschland.






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