Fliesen

Fliesen(fries.: Stintjis; niederländ.: tegel) schmücken auch heute noch die Wände der Wohnstube oder des Pesel, der guten Stube vieler utlandfriesischen Häuser. Spätestens im 18. Jahrhundert gelangten die oft fälschlich "Delfter Kacheln" genannten fünf mal fünf Zoll (13 mal 13 Zentimeter) großen Fayence-Platten aus den Niederlanden nach Nordfriesland. Ursprünglich stammt die Kunst der Fliesenherstellung aus dem Orient und verbreitete sich über Spanien und die italienische Stadt Faenza, die zur Namensgeberin wurde, nach Mitteleuropa. Um 1510 begannen italienische Fayencemacher im belgischen Antwerpen mit der Fliesenherstellung. In den Niederlanden entstanden wenig später zahlreiche tegelbakkerijen (Fliesenmanufakturen), so in Rotterdam, Utrecht, Amsterdam, Delft und in den friesischen Orten Makkum, Harlingen und Bolsward. Hier lernten die nordfriesischen Seefahrer die niederländische Wohnkultur kennen, in der Wandfliesen eine besondere Rolle spielten.
Wenn im Herbst die Saison auf den niederländischen Handels- und Walfangschiffen endete, nutzten die nordfriesischen Steuerleute und Kapitäne die Gelegenheit, Fliesen für ihre Häuser mitzunehmen. Mancher Kapitän gab auch ein Schiffstableau in Auftrag. Dabei erstreckte sich das Motiv über mehrere Fliesen und stellte nicht selten sein eigenes Schiff dar. Der größte Teil der Fliesen gelangte auf dem Seeweg nach Hamburg und von dort an die nordfriesische Küste und auf die Inseln.
Zuhause schmückten die Kunstwerke nicht nur den Alterssitz des Seemannes, sondern gaben den Wänden in den Häusern eine schönere Oberfläche, die man nicht alle Jahre neu kalken musste. Die Motive der Fliesen zeigten hauptsächlich Landschaften, Blumen (Blompotjes) und Tiere, "Historien" (biblische Szenen), Windmühlen und Schiffe. Ihre Glasur verhinderte zudem das Eindringen von Feuchtigkeit durch die dünnen Wände und reflektierte die Wärme zurück ins Zimmer. Die Fliesen bezeugten auch den Wohlstand des Hauses. Etwa 3 000 Stück benötigte man für ein Wohnzimmer. Von der Mitte des 17. Jahrhunderts an dominierten auf niederländischen Fliesen die Farben blau und manganbraun.

Hubertus Jessel: Blompotjes und Historien: Die Fliesen. In: Hans Jessel (Hrsg.): Das große Sylt-Buch, Hamburg 1996, S. 338-343.
Wilhelm Jessen: Uwe Jens Lornsens Vorfahren und ihre Welt, Neumünster o. J.
Gerd Kühnast: Niederländische Fliesen in nordfriesischen Häusern. In: Thomas Steensen (Hrsg.): Das große Nordfriesland-Buch, Hamburg 2000, S. 310-313.








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