Chronisten

In der Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert entstand in Nordfriesland (und Dithmarschen) eine ganze Reihe von Schriften über Geschichte und Überlieferung der Region. Die Chronisten waren Pastoren und vor allem auch wohlhabende Bauern. Die umfang- und kenntnisreichen Werke, die - teils gedruckt, teils als Handschriften - auf uns gekommen sind, stehen für jene Zeit als literarischen Produkte der Landbevölkerung weithin einzig da.
Die älteste überlieferte Aufzeichnung ist das "Chronicon Eiderostadense vulgare" ("Gewöhnliche eiderstedtische Chronik"), die um 1547 von dem Dithmarscher Johann Russe abgeschlossen wurde. Der erste der bedeutenden Nordstrander Chronisten war der Odenbüller Pastor Johannes Petreus. Die Landschaft Eiderstedt, in der manche Angehörige der Land besitzenden Schicht die Muße zu Studien und geistiger Tätigkeit fanden, bildete den Wirkungskreis des Koldenbütteler Ratmannes Peter Sax (1597-1662). Seine Beschreibungen von Land, Leuten und Geschichte der Westküste, die in den 1980er Jahren in einer siebenbändigen Ausgabe erstmals komplett im Druck erschienen, sind das wohl bedeutendste Beispiel der bäuerlichen Chronistik. In Peter Sax' Lebenszeit fiel die Sturmflut- Katastrophe von 1634, die seine Motivation verstärkte, Verlorenes und Bedrohtes zu dokumentieren. Seine Schriften gelten als "geistige Wiederbedeichung" Nordfrieslands.
Ähnliche Gründe haben vermutlich den Pastor Anton Heimreich zur Abfassung und Herausgabe seiner "Nordfresische(n) Chronick" von 1668 bewogen. Heimreich leitete die Gemeinde auf der Hallig Nordstrandischmoor, einem Überrest der Insel Alt-Nordstrand. Als gemeinsames Werk der in Husum tätigen Caspar Danckwerth und Johannes Mejer erschien 1652 die "Newe Landesbeschreibung der zwey Herzogthümer Schleswich und Holstein", zu der Mejer eine Reihe Landkarten von bemerkenswerter Qualität beisteuerte.
Die Zeit der Chronisten war geprägt vom wachsenden Einfluss der Landesherrschaft. Gegenüber diesem Machtanspruch wurde durch das Niederschreiben der Historie die freiheitliche Überlieferung nachdrücklich hervorgehoben.
An diese Überlieferungen suchten politische Vordenker im Schleswig-Holstein des 19. Jahrhunderts anzuknüpfen, als sie sich in der Geschichte nach Vorbildern für die von ihnen angestrebte liberale Verfassung umtaten. Insbesondere Gelehrte wie Nikolaus ?alck und A. L. J. Michelsen veröffentlichten und erinnerten an die alten Chroniken, in denen der genossenschaftliche Charakter von Recht, Politik und Verwaltung in den Küstengebieten beschrieben wurde.
Im Übrigen war es Peter Sax, der neben Dithmarschen als erster den nordfriesischen Bereich - über die Grenzen von Inseln und Harden hinweg - als Gesamtheit betrachtete, er kann daher als ein geistiger Vater des Kreises Nordfriesland gelten.








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