Christianisierung

Im Ursprungsgebiet der Friesen an der südlichen Nordseeküste begann die Christianisierung im 7. Jahrhundert und wurde vor allem von anglo-irischen Missionaren betrieben. Wilfried von York hielt sich 678/79 in Friesland auf und wurde von dem friesischen Herrscher Aldgisl wohlwollend aufgenommen. Sein Nachfolger Redbad hingegen lehnte das Christentum ab. Aus Northumbrien stammende Missionare wie Willibrord konnten im südlichen Friesland mit Utrecht ein kirchliches Zentrum schaffen. Noch 754 ermordeten Friesen bei Dokkum in der heutigen niederländischen Provinz Friesland den angelsächsischen Benediktiner Bonifatius. In seiner Nachfolge leistete der Northumbrier Willehad grundlegende Missionsarbeit. Die Gebiete östlich der Lauwers wurden in engem Zusammenhang mit der Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen missioniert. Hier war bereits ein Friese als Missionar tätig, Liudger (ca. 742-809). Einer seiner Helfer war der einheimische Sänger Bernlef, der den besonderen Auftrag erhielt, vom Tod bedrohte Kleinkinder zu taufen. Später, im 12. und 13. Jahrhundert, wurden gerade in den friesischen Gebieten zahlreiche Klöster gegründet.
Nach Nordfriesland gelangte das Christentum recht spät. Um 1100 wurden die ersten Kirchen gebaut. Noch in einem Papst-Brief von 1198 werden die nordfriesischen Utlande als "neue Pflanzstätte des Glaubens" bezeichnet.
Die Reformation wurde in Nordfriesland schon bald nach Luthers Auftreten in Wittenberg aufgenommen. Von 1525 an verkündeten Dietrich Becker und Hermann Tast in Husum das neue Gedankengut. Ganz Nordfriesland wurde evangelisch-lutherisch. Die katholische Kirche gewann im 17. Jahrhundert Stützpunkte in der religiösen Freistatt Friedrichstadt und auf Nordstrand; aufgrund der Verbindung der Insel mit den Niederlanden entstand hier auch eine altkatholische Kirche.
Wiederholt traten in Nordfriesland "Schwärmer" und Sektierer auf. Anna Ovena Hoyers (1584-1655), Frau des Eiderstedter Stallers, kritisierte scharf die Amtskirche, die sich von Jesu Lehre weit entfernt habe. Freigiebig war sie gegenüber Bedürftigen und endete selbst in Armut und Elend. Die französischeSchwärmerin Antoinette Bourignon (1616-1680) fühlte sich als Werkzeug des Heiligen Geistes und wollte auf der Insel Nordstrand eine urchristliche Gemeinschaft gründen. Sie floh vor einer Verhaftung wegen "Zauberei". Matthias Knutzen (1646-nach 1674) aus Oldenswort hielt Autoritäten in Kirche und Staat für völlig überflüssig; Vernunft und Gewissen sollten die einzige Richtschnur sein. Die "Bordelumer Rotte", 1738/39 im Raum Bredstedt wirksam, wandte sich gegen ein nur formalisiertes Christentum und forderte Gütergemeinschaft anstelle Privatbesitzes.
Viele Menschen in anderen Ländern der Welt sind von Nordfriesen oder von Nordfriesland aus für das Christentum gewonnen worden. Ingwer Ludwig Nommensen (1834-1918) von Nordstrand wurde zum Apostel der Batak in Indonesien. Christian Jensen (1839-1900) aus Fahretoft gründete in Breklum eine eigene Missionsanstalt, die vor allem in Indien, China, Afrika, Papua-Neuguinea tätig wurde.








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