Bräuche

Ein in Nordfriesland weit verbreiteter Brauch ist das Rummelpottlaufen in der Silvesternacht. Kinder ziehen in Verkleidung von Tür zu Tür und singen die überlieferten Lieder. Heute ist das ein schöner Spaß, bei dem Schoko-Riegel und ein bisschen Extra- Taschengeld als Gaben vielfach willkommener sind als die traditionellen fett gebackenen "Futtjes" ("Pförtchen"). Meistens fehlt allerdings der traditionelle Rummelpott, der Resonanzboden für das "Rummeln". Erzeugt wurde es mittels eines festen Strohhalms, der in eine über den Topf gespannte Schweinsblase gesteckt war. So wie frische Schweinsblasen mit dem JülboogEinzug der Moderne aus dem Alltag verschwunden sind, so hat auch das Brauchtum, das wahrscheinlich auf ein ritualisiertes Beschenken der Armen in der dörflichen Nachbarschaft zurückgeht, seinen überlieferten Inhalt gegen einen neuen eingetauscht.
Auf Föhr und Amrum ziehen nicht nur die Kinder, sondern auch Erwachsene, die "Kenkner" bzw. die "Hulken", in der letzten Nacht des alten Jahres verkleidet durch das jeweilige Dorf. Sie erinnern in selbst gedichteten Liedern an lustige oder bemerkenswerte Ereignisse oder warten stumm darauf, dass die Freunde sie hinter der Maske erkennen. Dann wird ein Gläschen eingeschenkt.
Neben einigen Bräuchen, die mit besonderen Produkten der nordfriesischen Küche verbunden sind, wie das winterliche Grünkohlessen oder Weinsuppe und Schinken, gehört vor allem das Biikebrennen zum besonderen hiesigen Festtagskalender. Auch Boßeln und Ringreiten gehören als regionale Sportarten im weitesten Sinne zu den Bräuchen.
Die dörfliche Gemeinschaft, die mit dem Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg ihre überlieferte Form einbüßte, übte durch Bräuche auch soziale Kontrolle aus. So war es etwa auf Föhr üblich, dass das Verhalten eines jungen Burschen, der ein Mädchen nach dem Tanz nach Hause brachte, von seinen Altersgenossen überwacht wurde. Wer sich unehrenhaft benahm, etwa ein Treue- oder gar Heiratsversprechen brach, bezog Prügel. Die jungen, konfirmierten, aber noch unverheirateten Männer der Insel taten sich zusammen zum "Hualewjunken" (das Wort bedeutet "halbdunkel"), und bildeten nach festen Regeln eine Gemeinschaft. 1885 wurde sogar ein Verein gegründet - was bis dahin ungeschrieben galt, wurde in Statuten niedergelegt.








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