Bordelumer Rotte

Mit dem Regierungsantritt König Christians VI. (1730-1746) erlebte der Pietismus auch in Schleswig-Holstein einen späten Höhepunkt. Er wurde immer wieder durch Erweckungsbewegungen belebt. Eine solche Bewegung ging der Bordelumer Separation voraus. Seit 1733 hielten zwei Kandidaten der Theologie, Franciscus Marcus Barsoenius aus Bargum und Peter Lorenzen aus Bordelum, Erweckungspredigten. Lorenzen wurde 1734 zum Pastor von Bordelum gewählt, starb aber zwei Jahre später. Nach seinem Tode geriet Barsoenius unter den Einfluss des Theologiestudenten David Bähr aus Frankenhausen in Thüringen und des Kesselflickers Ernst Fischer, der sich als Prophet bezeichnete. Aus der Vermischung ihrer separatistischen, die Institution Kirche angreifenden Lehren mit dem Pietismus Barsoenius entwickelte sich die Bordelumer Rotte, die, obwohl nur 20 Mitglieder stark, Kirche und Staat zutiefst beunruhigte. Kernpunkte der 1739 gegen sie vorgebrachten Anklage waren, dass sie die Bibel in ihrem Sinne auslegten und den Besuch des Gottesdienstes sowie die Einnahme des Abendmahls ablehnten. Zudem stellten sie die Ehe in Frage und propagierten eine Art freier Liebe unter den Sektenangehörigen. Weiter wollten sie Privateigentum in gemeinschaftlichen Besitz überführen. Die Wirkungszeit der drei Anführer war kurz. Fischer wurde des Landes verwiesen, Barsoenius und Bähr erhielten Zuchthausstrafen, die Sekte wurde verboten.

Th. Matthiesen: Erweckung und Separation in Nordfriesland, Kiel 1927.
Silke Göttsch: Religiöse Fluchten - soziale Utopien. Separatisten in Nordfriesland. In: Regensburger Schriften zur Volkskunde Bd. 4, Berlin/Vilseck 1987.








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