Bohmstedter Richtlinien

Auf Initiative deutscher Grenzpolitikern beschloss der Nordfriesische Verein für Heimatkunde und Heimatliebe am 12. September 1926 in Bohmstedt bei Bredstedt fünf Leitsätze, die als "Bohmstedter Richtlinien" in die Geschichte Nordfrieslands eingingen: "Wir Nordfriesen sind deutsch gesinnt. Wir fühlen uns mit Schleswig-Holstein und der deutschen Kultur seit Jahrhunderten verbunden. Im Rahmen dieser Kultur wollen wir unsere Stammesart wahren. Wir wünschen, dass unsere Sprache im friesischen Sprachgebiet in Schule und Kirche gepflegt wird. Wir lehnen es ab, als nationale Minderheit betrachtet zu werden." In einer groß angelegten Unterschriftensammlung, deren Kosten das Oberpräsidium in Kiel trug, wurden die "Bohmstedter Richtlinien" von über 13 000 Nordfriesen unterzeichnet. Dieses war wohl die umfassendste Meinungsäußerung zu nordfriesischen Belangen, die es jemals gegeben hat. Rudolf Muuß, Vorsitzender des Nordfriesischen Vereins, sprach von einer "Großtat, wo einmal wieder ... das gesamte Friesland einig war", die Nationalen Friesen im Friesisch schleswigschen Verein dagegen von einer "Aktion zur Opferung des freien, selbständigen Friesentums auf dem Altar großdeutsch- preußisch-schleswig-holsteinischer Politik". Die "Bohmstedter Richtlinien" müssen vor dem Hintergrund des deutsch-dänischen Grenzkampfs nach der Volksabstimmung von 1920 betrachtet werden. Die Nationalen Friesen wollten damals als eigene Minderheit anerkannt werden. Die maßgeblichen deutschen Stellen hatten daran keinerlei Interesse, zumal sie auf eine Verschiebung der deutsch-dänischen Grenze nach Norden abzielten.

Thomas Steensen: Die friesische Bewegung in Nordfriesland im 19. und 20. Jahrhundert (1879-1945), 2 Bände, Neumünster 1986.








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