Baupflege Kreis Tondern

Mit der Heimatbewegung um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert wuchs auch das Bewusstsein für die überlieferte, heimische Architektur. Es entstanden Heimatvereine, wie z. B. 1902 der Nordfriesische Verein. Die Ursprünge der "Baupflege Kreis Tondern" liegen im Jahr 1905, als für ein neues Kreishaus ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Eine Auflage forderte die "Anlehnung an die heimische Bauweise". Der Lösungsvorschlag enthielt flächenhafte, ungeteilte Backsteinwände und Fenster mit weißen Sprossen. Er wurde für die Architektur Nordfrieslands quasi zur Norm. Dass die Bauanträge dem nun festgelegten Baukatechismus entsprachen, überwachte ab 1908 mit Hilfe der Bauverwaltung der Schleswig-Holsteinische Landesverein für Heimatschutz. Der Architekt Heinrich Bomhoff (1878-1949) gestaltete mit der "Altfriesischen Weinstube" und dem Warmbadehaus in ?Westerland auf Sylt Idealentwürfe für die nordfriesische Bäderarchitektur. Die größte Sorge der Baupflege galt der Rettung des Reetdachs. Eine Zusammenarbeit mit den Brandkassen konnte allerdings erst mit der Entwicklung des "Gernentzdachs" erreicht werden. Es war imprägniert und garantierte je nach Ausführung bis zu fünfzig Minuten Feuerfestigkeit.
Mit dem Ende der Weimarer Republik klang die authentische Heimatschutzarchitektur aus. Der "Friesengiebel" wurde nun zum landschaftsübergreifenden Symbol für Bodenständigkeit und ähnlich ideologisierte Begriffe. In den Aufbaujahren nach 1950 geriet der Baupflegegedanke für lange Zeit in Vergessenheit. Erst als in den 1970er Jahren mehr und mehr landschaftscharakteristische Gebäude zu verschwinden drohten, erlebte er eine Renaissance. 1980 trat der Verein "Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland (IGB)", zugleich Arbeitsgruppe des Nordfriisk Instituut in Bredstedt, das Erbe der alten Heimatschutzarbeit an. In seiner Zeitschrift Der Maueranker setzt er sich dafür ein, die nordfriesische Kulturlandschaft mit ihrer gewachsenen Architektur vor weiterer Zerstörung zu bewahren.








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