Bauernhäuser

Nordfriesland gilt in Deutschland als eine der vielfältigsten Bauernhauslandschaften. Nicht weniger als vier Grundformen werden hier angetroffen. Auf der Geest im Südosten hat das Niederdeutsche Hallenhaus seine nördlichsten Vertreter. Ein Ständergerüst trägt das Dach. An die Grootdääl (Tenne) schließen sich rechts und links Abseiten an, in denen das Vieh steht, und "Butzen" für das Gesinde eingebaut sind. Erst in der Neuzeit erhält das Haus einen abgetrennten Wohnteil, das "Kammerfach". Eine gute Anschauung bietet das Ostenfelder Bauernhaus, das 1899 als erstes Freilichtmuseum des deutschen Sprachraumes in Husum wiedererrichtet wurde.
Aus den fruchtbaren Marschgebieten Westfrieslands stammt das stattliche Gulfhaus. Seine nordfriesische Variante heißt Haubarg und kommt fast ausschließlich in Eiderstedt vor. Der Gulf, ein Vierkant zwischen mächtigen hölzernen Ständern, die das hochragende Reetdach tragen, birgt die Ernte. Die ersten Eiderstedter Haubarge wurden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Der wohl bekannteste ist der Rote Haubarg in Witzwort, in dem heute ein Gastronomiebetrieb und ein kleines landwirtschaftliches Museum untergebracht sind. Der Teufel, so die Sage, schuf das Bauwerk in einer einzigen Nacht. Sein Lohn sollte - war er fertig vor dem ersten Hahnenschrei - die Seele des jungen Bauern sein. Rettung brachte die Brautmutter, die den Hahn weckte und krähen ließ, bevor das letzte Fenster eingesetzt war.
Zwei weitere traditionelle Bauformen Nordfrieslands sind das Geesthardenhaus und das utlandfriesische Haus, beide gehören zu den Langhäusern. Bei dem einen tragen die Wände das Dach, bei dem anderen ist es ein Ständergerüst. In beiden trennt eine Querdiele jeweils Wohn- und Wirtschaftsteil voneinander. Der Grundriss des utlandfriesischen Hauses findet sich schon bei Häusern aus dem zweiten Jahrhundert, wie sie etwa in Eiderstedt ausgegraben wurden.
Zur Erweiterung des Nutzraumes wurden an viele der Langhäuser jeweils im rechten Winkel Stallteile angebaut, das heißt man baute "in die sieben". Ein weiterer Anbau, wiederum im rechten Winkel zum ersten, ließ das Gehöft "in die fünf" wachsen. Eine Variante dieser Bauweise ist der geschlossene Vierseithof, der in seiner Stattlichkeit dem Haubarg nicht nachsteht.
Auf den Warften in der nordfriesischen Marsch stehen noch viele der stolzen Gehöfte, die vom damaligen Wohlstand der Landbesitzer künden. Dieser erreichte insbesondere im 19. Jahrhundert - einer landwirtschaftlichen Blütezeit - einen Höhepunkt.
Ihres eigentlichen Zweckes beraubt, ist andererseits eine große Anzahl von Bauernhäusern inzwischen verfallen und verschwunden. Seit 1980 bemüht sich die Interessengemeinschaft Baupflege (IGB) Nordfriesland & Dithmarschen e.V. um den pfleglichen Umgang mit der historischen Bausubstanz.








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