Auswanderung

Schon im 17. Jahrhundert verließen Nordfriesen ihre Heimat und begannen in Übersee ein neues Leben. Sie gehörten damals zu den ersten Einwohnern von Neu- Amsterdam, standen also an der Wiege der heutigen Metropole New York. Im 19. Jahrhundert wurde die Auswanderung aufgrund der herrschenden wirtschaftlichen Not zu einer Massenbewegung. In der Landwirtschaft und im Handwerk, den wichtigsten Erwerbsquellen in Nordfriesland, lösten sich überkommene Formen auf. Die Dreschmaschine zum Beispiel ersetzte viel menschliche Arbeitskraft. Billige Industrieprodukte machten ganze Handwerksbranchen überflüssig. Auf den Inseln kam der Niedergang der Seefahrt hinzu. Viele fuhren jetzt nicht mehr aufs Meer, sondern übers Meer - nach Amerika. Eine kleinere Rolle spielten auch politische Gründe, zunächst die dänische Unterdrückungspolitik nach 1850, dann die Einverleibung in Preußen mit dem dreijährigen Militärdienst. Amerika erschien dagegen als das Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten.
Aus fast jedem Dorf Nordfrieslands wanderten Menschen nach Übersee aus. Besondere Schwerpunkte wurden die Inseln Föhr und Amrum. Die allermeisten Familien haben noch heute Verwandte jenseits des "großen Teiches". In New York zum Beispiel besteht nach wie vor ein friesischer Verein mit mehreren hundert Mitgliedern.
Die amerikanische Karriere "vom Tellerwäscher zum Millionär" gelang nur den wenigsten Auswanderern. Dazu zählte der aus Husum stammende Ludwig Nissen (1855-1924), der als Juwelier in New York reich wurde. Er schenkte seiner Vaterstadt ein Museum, das Nissenhaus. Das Auswanderer-Archiv Nordfriesland des Nordfriisk Instituut in Bredstedt erforscht und dokumentiert dieses Thema. Ein Denkmal erinnert dort an die vielen tausend Nordfriesen, die ihre Heimat verließen.








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